„Die kurdische Identität als Mittel zur Unabhängigkeit“

in Utopie von

Viel ist in letzter Zeit zu hören über Kurdistan und seine Menschen. In den Medien werden Unterdrückung und der Wille zur Selbstbestimmung in einem Atemzug mit dieser Region genannt. Aber wer sind die Kurd_innen? Und woher kommt die gemeinsame kurdische Identität über Landesgrenzen hinweg? Ein historischer Abriss..

„Kannst du deinem Land nicht dienen, so verrate es zumindest nicht“, waren die immer noch präsenten Worte von Nemir Mullah Mustafa Barzani. Das brutale Regim Abdel Kareem Qasims und der Fall des Ottoman-Reiches lösten eine Revolution zur Bildung von kurdischen Streitkräften, den Peshmergas, aus, jene kurdische Miliz, welche auch als „Diejenigen, die dem Tod ins Auge sehen“ genannt wird und dies auch tut.

Amediye, Stadt in der autonomen Region Kurdistan, Irak

Vielen wird durch die etlichen Medienberichterstattungen zumindest jetzt bewusst sein, dass die Peshmergas sich als wirksame Kraft gegen Islamisten bewiesen haben. Was viele jedoch nicht wissen, ist die Tatsache, dass die Kurd_innen ständig durch neue Arten von Krisen leiden muss.

Die Abstammung und Herkunft der Kurd_innen als eine einheitliche und identifizierbare ethnische Gruppe kann bis in die Antike zurückverfolgt werden. Um 700 n. Chr. bedeutete der Begriff „Kurde“ in den arabischen Schriften eine nomadische Gruppe, deren sozioökonomische Basis ländlich war und die im heutigen Kurdistan besiedelt ist. Die Leidenschaft für ihr Land ist in seinen ländlichen Traditionen verwurzelt und bestimmt das heute moderne Kurdistan schon seit zweitausend Jahren. Jedoch ist die Abstammung der Kurd_innen schwierig zu beschreiben, vor allem aufgrund der frühen Nomadenkultur. Dennoch ist sie auf eine, bestimmte geografische Region beschränkt. Im Verlauf ihrer Geschichte unterwarfen sich die Kurd_innen etlichen Mächten, beispielsweise den osmanischen Türken, den Perser-Iranern und arabischen imperialen Mächten. Solche imperialen Mächte schafften Bedingungen für fabrizierte Wahrheiten und Behauptungen, und dies durch Manipulation historischer Kontexte in Bezug auf den Ursprung und der Existenz der Kurd_innen. Kurd_innen haben weder ihre Geschichte festgehalten, noch zeichneten sie ihre historisch geografischen Gebiete, natürlichen Ressourcen, Bevölkerung und Ethnizität auf. Verschiedene regionale Mächte erstellten Daten und Informationen über Kurd_innen, welche mehr als wahrscheinlich auf Kosten der Kurd_innen aufgezeichnet wurden. Es ist schwierig zu erfassen, wann genau eine deutliche kurdische Identität entstand.

Diese „nationale Identität“, die von den Kurd_innen immer stärker gezeigt wird, hat sich jedoch erst spät entwickelt. Bis zur Entstehung kam es zwar zu Konflikten mit der Türkei, dem Iran und dem Irak. Jedoch galten diese Konflikte anfangs nicht als „Befreiungskampf“.

Traditionell war und ist Kurdistan noch immer von Stammesverbänden geprägt, welche immer wieder geschwächt, aber nicht völlig aufgelöst wurden. Erst durch den Einfluss der Osmanen, entstand ein „nationales Bewusstsein“. Zwar waren sie sich ihrer Kultur und ihrer Verschiedenheit von Persern und Arabern bewusst, jedoch war bis dahin der „Nationalismus“ in der kurdischen Gesellschaft nicht präsent.

Der kurdische Nationalismus hat sich in den letzten Jahren in einer Weise entwickelt, die sowohl den Nahen Osten als auch die internationale Politik beeinflussen. So wirkt sich der kurdische Nationalismus stark auf die Zukunft des Iraks und damit nicht nur auf die Außenpolitik der USA, sondern auch auf regionale Staaten wie die Türkei, Iran, Syrien und Saudi-Arabien aus. All diese Staaten sehen den kurdischen Nationalismus als Herausforderung für ihre Integrität. Er beeinflusst jedoch auch die Kandidatur der Türkei für eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Deren Mitgliedschaft hätte erhebliche Auswirkungen auf die Zukunft der europäischen und internationalen Politik.

Die kurdische Flagge

Trotz aller Auseinandersetzungen, sind die Kurd_innen in der Geschichte zum ersten Mal in der Lage gewesen, ihre politische Identität in einer besonderen Art und Weise zu gestalten. Seit 1991 gilt der Fortbestand des autonomen Kurdistan im Irak als eine führende Quelle der Inspiration für die nationalistischen Kurd_innen. Die Legalisierung dieser Region um 2003 hat das Engagement vieler Kurd_innen gestärkt, ihre nationalen Rechte einzufordern.

Kurdische Politiker_innen sind nun in der Lage, die Ergebnisse in einer Weise zu beeinflussen, in der kurdische Verhandlungsführer_innen anfangs gescheitert waren. Zwar besteht im Moment keine unmittelbare Aussicht auf einen unabhängigen Staat, aber es ist möglich, dass im Nahen Osten in Zukunft ein solcher entstehen könnte.

Heline Ahmad

Quellenverweise:
Richter Fabian (2016): Identität, Ethnizität und Nationalismus in Kurdistan; Seite 140
https://books.google.at/books?id=0XRBCwAAQBAJ&pg=PA140&lpg=PA140&dq=kurdistan+2003+1991+iraq&source=bl&ots=30GrConFv-&sig=7U4YXiIbv1YRAVcXHB6aW4EEWUA&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiRk-Cis8jPAhVHsBQKHekzDKUQ6AEIbTAO#v=onepage&q=kurdistan%202003%201991%20iraq&f=false

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