Allerseelloween

in Kunst von

Dingdong. „Wer da? Hereinspaziert!“

„Was? Nein, wir woll’n nur was vom Süßen,

sonst wirst du uns das übel büßen,

sonst spiel’n wir einen Streich, kapiert?“

„Den Streich kriegt ihr hinter die Ohr’n!

Hat euch niemand gelernt zu grüßen?“

Betretene Blicke zu den Füßen.

„Also, was habt ihr hier verlor’n?“

„Verlor’n haben wir nichts, mein Bester!“,

zischt die Hexe mit schwarzem Zopf.

Der leicht verrutschte Kürbiskopf –

wahrscheinlich ihre kleine Schwester –

traut sich und fragt grad heraus:

„Wieso gibt uns der da nix?“

Er, auf die Frage ihres Blicks:

„Naja, ich bin kein Zucker‘lhaus.“

„Aber heut ist doch Halloween.“

„Ja Halloween hin oder her,

mit so am Klumpert tu‘ ich mir schwer,

weil ich ja auch nicht der Jüngste bin.

Zu meiner Zeit hat ma noch g’sagt,

es geht darum sich zu erzählen

vom Schönen und Traurigen aller Seelen,

die man im Herzen mit sich tragt.

Und nicht wen andern zu erschrecken,

ihm Angst und Kummer einzujagen,

ihn danach nach Bonbons zu fragen,

und sich die Taschen voll zu stecken.“

„Na gut. Wir geh’n ja schon. Wir geh’n.“

Sie ziehen ab, der Kürbis weint.

Er ruft: „So hab ich das doch nicht gemeint.

Das tut mir leid! Auf Wiederseh’n!“

„Weißt du, wovon der Alte quasselt?“,

fragt später der Vampir und lacht.

„Hat sich schon sehr seltsam benommen…“

„Und damit Halloween vermasselt…“

„Und mir auch ziemlich Angst gemacht…“

„Und Süßes hab’n wir nichts bekommen…“

Martin Schramm

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