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Vier Jahre ist es nun her, dass die damals fünfzehnjährige Malala weltweit in die Schlagzeilen geriet und zu internationaler Berühmtheit gelangte. Als Aktivistin setzte sie sich in ihrer Heimat Pakistan für Kinderechte ein, 2012 wurde sie daraufhin von der Taliban angeschossen – und überlebte.

Malala Yousafzai

Doch dieser kleine Text handelt nicht so sehr von der Taliban oder dem Kopfschuss. Vielmehr geht es um den Mut und die Stimme eines Mädchens, dessen Geschichte im Swat-Tal, einem Gebiet im nördlichen Pakistan, beginnt. Denn auch Malala selbst möchte, wie sie in ihrem Buch schreibt, nicht als „das Mädchen, dem die Taliban in den Kopf geschossen haben“ gesehen werden, sonders als „das Mädchen, das für Bildung kämpft“.

Malala Yousafzai

Malala, die schon sehr früh als ungewöhnlich intelligent galt, liebt es Kricket zu spielen, sich mit ihren beiden Brüdern um die Fernbedienung zu streiten und ihre Finger nach Belieben knacken zu lassen. Doch am meisten liebt sie ihre Bücher, die Naturwissenschaften und in der Schule Klassenbeste zu sein.

Als 2005 ein Erdbeben Pakistan erschütterte und über 70.000 Menschen dabei starben, nützte der extremistische Prediger Fazlullah die Situation und gründete einen illegalen Radiosender, um das Erdbeben als Warnung Gottes für ungläubiges Verhalten zu propagieren. Nachdem der Einfluss der Taliban im Swat-Tal zugenommen hatte, wurden 2009 alle Mädchenschulen geschlossen. Vor allem Personen, die weder lesen noch schreiben konnten, und ihr Wissen ausschließlich über das Radio bezogen, hatten bald Vertrauen in die Aussagen des Predigers. Zwar kritisierten auch einige die Entwicklung, die sich daraufhin im Land vollzog, doch wurden durch Morddrohungen und gewalttätige Aktionen der Extremisten viele Menschen eingeschüchtert. Ihnen wurde die Stimme genommen, eine Stimme, die ihre Freiheit verlor.

Malala ließ sich ihre Stimme nicht nehmen. Aufgrund ihres Aktivismus, in dem sie das Recht auf Bildung, insbesondere auch für Mädchen, forderte, wurde sie national bald bekannt, gab Interviews für Zeitungen und Fernsehstationen und begann unter einem Pseudonym für die britische BBC ein Tagebuch zu führen.

Als ihr eines Tages auf dem Heimweg von der Schule lebensgefährlich in den Kopf geschossen wurde, brachten Ärzte sie nach ersten Behandlungen in Pakistan anschließend in ein Krankenhaus nach Birmingham, wo sie seitdem aus Sicherheitsgründen mit ihrer Familie lebt.

2013 hielt die junge Frau eine beeindruckende Rede vor den Vereinten Nationen, in der sie den Zugang zu Bildung für alle Kinder forderte. 2014 gewann sie den Friedensnobelpreis. Malala, die, wie sie sich oft bezeichnet, nur ein Mädchen von vielen scheint, und zugleich eine Stimme hat, die ungewöhnlich kräftig und laut ist.

 

Sie ist ein Mädchen, das nun weltweit sehr viel Aufmerksamkeit bekommt. Manchmal scheint es gar, dass sie zu einer Art Ikone wurde. Dabei darf nicht vergessen werden, dass es auch viele andere Mädchen und Frauen gibt, die sich in ähnlicher Art und Weise engagieren, die aber oft nicht gesehen werden, da beispielsweise die Möglichkeit international Gehör zu bekommen nicht vorhanden ist. Dass Malala viele Menschen durch ihre Reden und ihr Buch erreicht, ist ein schöner Effekt, den sie sich besonders durch ihre emotionale Sprache schafft. Gleichzeitig gibt es viele andere Mädchen und Frauen, die dadurch oft in ihren Schatten gerückt werden und in der Diskussion untergehen.

Recht auf Schule

Malala ist nicht die Erste und wird nicht die Letzte sein, die darauf pocht, dass Bildung unsere stärkste Waffe ist, dass Bildung Selbstvertrauen und Sicherheit geben kann. Wer es schafft sich eine eigene Meinung zu bilden oder kritisch zu denken, wird sich von charismatischen Redner_innen mit stark ideologischer oder gar extremistischer Einstellung weniger leicht überzeugen lassen.

Mädchen in einer Schule im Swat-Tal

Bildung veranlasst aber auch einen ganz anderen Schritt in Bezug auf die Institution Schule. In einer Schule können Kinder Freundschaften schließen, eine Gemeinschaft bilden. In einer Schule können Erfahrungen gemacht werden, kann eine Persönlichkeitsentwicklung stattfinden. Eine Schule kann also ein Ort sein, der schützt, und ein Ort, indem Kinder lernen und sich wertvoll fühlen dürfen. Gleichzeitig ist Schule nicht nur ein Ort der Emanzipation, sondern verstärkt manchmal auch Ungleichheitsverhältnisse, in dem Vorstellungen über Männlichkeit und Weiblichkeit vermittelt oder Stereotypen reproduziert werden.

Weiterhin wird unzähligen Kindern das Recht auf Bildung verwehrt. Unzählige Kinder, die nicht die Möglichkeit haben, lesen oder schreiben zu lernen. Malalas Appell, statt Waffen Schulen zu bauen bringt uns die Vorstellung von einer friedlicheren Welt. Es ist eine Vorstellung, deren Umsetzung nicht unmöglich ist, wenngleich sie das Bewusstsein braucht, dass dabei auch Machtverhältnisse verändert werden müssen. Wenn der internationalen Öffentlichkeit Frieden etwas wert ist, dann wäre es etwa ein Weg nicht so sehr über Grenzen zu sprechen oder Geld in Abschottung und Rüstung zu stecken, sondern vielmehr Schulen zu bauen, beispielsweise im Libanon oder in Jordanien, wo gegenwärtig zahlreiche Kinder aufgrund der Flucht aus Syrien keine Möglichkeit auf Bildung bekommen.

All girls

Besonders oft sind es Mädchen, die in den Hintergrund gedrängt werden und zu einer anonymen Masse verschmelzen, Mädchen, denen Bildung am wenigsten gewährt wird.

In vielen Gegenden hatten es Mädchen und Frauen in der Vergangenheit schwer. In vielen Fällen waren ihre ausschließlichen, doch nicht weniger anstrengenden Aufgaben, den Familienhaushalt zu regeln oder Tätigkeiten in der Küche zu vollziehen. Für diese Aktivitäten sei keine Schulbildung notwendig, hieß es. Dem Mädchen, der Frau als emotionales Wesen, wurde Rationalität kategorisch abgesprochen. Der Mann ging währenddessen arbeiten.

Auch die Geschichte der Wissenschaft ist hauptsächlich von Männern dominiert. Nur wenige Frauen konnten sich durchsetzen, ihre Meinung wurde oft totgeschwiegen, sie selbst nicht ernst genommen. An vielen Orten der Welt haben sich Geschlechterverhältnisse mittlerweile geändert, viele Frauen sind berufstätig, viele studieren, haben Selbstbewusstsein und eine Stimme, die sich nicht entmutigen lässt. Jedoch ist die Situation von Frauen weltweit sehr verschieden, sowie es weiterhin zahlreiche Unterschiede auch im europäischen Kontext gibt, ob die ungleichen Gehälter oder die Tatsache, dass Frauen weiterhin oft nicht ernst genommen werden. In vielen Erdteilen haben zudem besonders Mädchen nach wie vor keinen Zugang zu Bildung.

Doch ist sich bilden zu dürfen eine logische Konsequenz, wenn eine Gesellschaft funktionieren soll. Bildung ist ein Schlüssel zu einem friedlichen Beisammensein, ist der Grundstein für Neugierde und Kreativität. Kinder haben das Recht in die Schule zu gehen, Mädchen eingeschlossen.

Und Malala expliziert – ALLE Mädchen.

 

https://blog.malala.org/ 

Literaturhinweis:

Malala Yousafzai mit Patrizia McGormick (2014): Malala – Meine Geschichte; Fischer KJB
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