Transition Towns – Städte im Wandel

in Utopie von
Quelle: http://zeitgeistmovement-frankfurt.de

Wir befinden uns in einer Zeit voller Krisen und über allem steht die Bedrohung des Klimawandels. Man könnte resignieren, gäbe es nicht viele Ideen, wie wir es doch in die Zukunft schaffen könnten. Eine davon trägt den Namen Transition Towns und will den Wandel in Dörfern und kleinen Städten starten.

Hauptsächlich lokal produziertes Essen, Energie selbst erzeugen, die lokale Wirtschaft durch Produzieren und Konsumieren in Schwung bringen, Mobilität umweltfreundlich gestalten und verschiedenste Initiativen miteinander kombinieren, damit sich die Bewohner_innen besser kennenlernen. All dies und noch viel mehr sind Ziele von Transition Towns, einer Initiative, die in England entstand und mittlerweile über die ganze Welt verteilt ist. Genauer gesagt versteht man unter diesem Begriff ein Konzept, das auf die Fähigkeit von Dörfern und Städten setzt, sich selbst zu versorgen und zunehmend unabhängig von fossiler Energie zu werden. Mittlerweile gibt es über 1500 Initiativen in über 40 Ländern. Natürlich haben einzelne Initiativen keinen großen Einfluss, zusammengenommen machen sie aber durchaus etwas aus. Viele kleine Schritte führen im Endeffekt auch zum Ziel. Sozusagen als Nebeneffekt stärken sie zusätzlich die Dorf- bzw. Bezirksgemeinschaft und helfen dabei, Bewusstsein für den Klimawandel und die Problematik der Ölabhängigkeit zu schaffen.

Warum das Ganze?

Der Schlüsselbegriff hinter der Theorie der Transition Towns ist Resilienz, was man etwas ungenau als Widerstandsfähigkeit übersetzen kann. Im Konzept der Transition Towns geht es daher darum, Dörfer und Städte zu stärken und ihre Abhängigkeit von externen Faktoren, vor allem Ölimporten, zu verringern. Wenn wieder lokal produziert und auf regionale Ressourcen zurückgegriffen wird, kann einerseits externe Schocks, wie Ölpreiskrisen, besser widerstanden werden, andererseits werden dadurch Emissionen verringert. So wird sowohl ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet als auch ein Naheverhältnis zwischen Produzenten und Konsumenten geschaffen.

Gründe für die Entstehung des Konzepts liegen nicht nur im Klimawandel, sondern auch in der zunehmenden Einsicht, dass Öl eine endliche Ressource ist. Man geht davon aus, dass der Höhepunkt der Ölförderung bereits erreicht wurde oder kurz bevorsteht und dass für neu gefördertes Öl immer mehr Energie aufgewendet werden muss und das Verhältnis zwischen aufgewandter und gewonnener Energie immer weiter absinkt. In Folge dessen werden Öl und alle daraus gewonnen Produkte immer teurer. Je früher und schneller sich die Gesellschaft darauf einstellt und darauf reagiert, desto höher wird ihre Resilienz und desto mehr Chancen wird sie in der Zukunft haben.

Durchführbarkeit & Utopie

Rob Hopkins bezeichnet die Projekte auch als „Do-ocrazy“, es gibt sehr flache Hierarchien, jeder der ein Projekt starten will kann das tun und so seinen Beitrag leisten. Gute Ideen werden sich durchsetzen. Das Konzept Transition Towns bietet nur den Rahmen, in dem diese Projekte vernetzt werden und in dem man voneinander lernen kann. In einem eigenen Transition Handbook werden die Schritte beschrieben, welche ein Bezirk oder ein Dorf durchführen kann um zu einem Transition Town zu werden. Diese sollen und werden natürlich adaptiert und auf die jeweilige lokale Situation angepasst.

Anstatt auf Anstöße von Regierungen und anderen Machthaber_innen zu warten, werden selbst Schritte gesetzt. Der positive, proaktive Blick in die Zukunft und der Glaube an Utopien unterscheidet das Konzept von vielen anderen, die rein mit Dystopien und Schockbildern arbeiten. Hopkins meint, dass dadurch mehr Energien freigesetzt werden und die Teilnehmer_innen motiviert bleiben. Die entstandenen Projekte unterscheiden sich von Ort zu Ort und inkludieren daher sehr viele verschiedene Ideen. Es geht jedoch immer um die Frage, wie man besser leben kann und was man praktisch dazu beitragen kann. Und besser heißt in diesem Kontext nicht mehr Materielles zu erschaffen, sondern höhere Lebensqualität zu erreichen. Während in manchen Transition Towns voll und ganz auf lokale Ernährung gesetzt wird, setzen andere den Schwerpunkt auf Mobilität. In Brixton in England wurde ein bürgerfinanziertes Solarkraftwerk errichtet, in vielen Orten Reparaturworkshops angeboten. Die Einführungen von parallelen lokalen Währungen in vielen Transition Towns führt zur Stärkung lokaler Ökonomien und half den Kaufkraftabfluss zu bremsen.

In vielen Dörfern und Städten der Bewegung wurden Pläne zur weiteren Reduzierung des Energiebedarfs entwickelt und diese werden nun Schritt für Schritt umgesetzt.

Transition Towns begreifen sich nicht als Allheilmittel, sondern als einer von vielen Schritten. Sie bieten einen Rahmen zur Entwicklung von vielfältigen Strategien zur Bewältigung der Herausforderungen Klimawandel und Ölabhängigkeit.

Laurin Mayer

Anmerkung: Der Autor hat zu diesem Thema einen Workshop auf dem Annual Congress der European Geography Association (EGEA) gehalten. EGEA ist eine Verbindung, die Geographie Studierende aus ganz Europa miteinander vernetzt. Neben Austauschen besteht das Hauptprogramm aus Seminaren und Kongressen. Mehr Infos dazu unter egea.eu oder auf Facebook unter EGEA Wien

Quellen:
https://www.youtube.com/watch?v=r3L9n20myqk
HOPKINS R. (2008): The transition handbook.
https://transitionnetwork.org/

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