Gerda Taro

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Anlässlich des Weltfrauentages und unserem Themenschwerpunkt (wider)willig reisen

Flucht. Krieg. Eine junge Frau, Mitte zwanzig. Als eine der ersten Kriegsfotografinnen mischte sie sich ins Geschehen ein – doch geriet nach ihrem Tod in den Hintergrund. Dieser Artikel handelt um Gerda Taro, welche eigentlich Gerta Pohorylle hieß und 1910 in Stuttgart geboren wurde.

 

Gerda Taro (wikipedia.org)

Ihre Jugendzeit – die Goldenen Zwanziger – war eine Zeit, in der Kunst politischer wurde, in der Kunst das Leben in der Großstadt, die Kluft zwischen Reich und Arm in Darstellung zu setzen vermochte. Als Hitler 1933 Reichskanzler wurde, machte Taro ihren Widerstand gegenüber dem Faschismus deutlich. Sie verteilte Flugblätter gegen die Nazis und landete daraufhin im Gefängnis. Später flüchtete sie nach Paris und lernte dort den Fotografen Endre Ernö Friedmann, wie sie Jude und ins Exil entflohen, kennen und lieben. Aufgrund ihres Aktivismus veränderten sie ihre Namen und wurden zu Robert Capa und Gerda Taro.

Im Sommer 1936 begannen Straßenkämpfe in Spaniens Städten zu toben. Gemeinsam mit Capa machte sie sich auf den Weg, um vor Ort den Spanischen Bürgerkrieg zu dokumentieren. Die Kamera wurde zu ihrer Waffe. Sie diente gegen Francos faschistisches Regime und für die Republik. Gerda Taro wurde zu einer der ersten Frauen, die über den Krieg berichteten. Meist hielt sie in den Händen nichts bis auf die Kamera, fast immer zeigten ihre Aufnahmen einzelne Personen. In den nächsten Monaten fuhren Capa und Taro immer wieder nach Spanien und pendelten zwischen Paris und den spanischen Städten. Da sie selbst Exilanten und Flüchtlinge waren, wurde der Kampf gegen den Faschismus zu ihrem persönlichen Kampf. Der Spanische Bürgerkrieg war die metaphorische Frontlinie.

1937 wurde Taro bei einem Angriff von einem Panzer überrollt und unterlag im Krankenhaus den Verletzungen. Ihre letzte Frage soll gewesen sein, ob die Kameras gut aufgehoben seien. Viele ihrer Aufnahmen wurden damals unter Capas Namen veröffentlicht. Bei ihrer Beerdigung wurde sie später als Heldin verehrt.

Taro war eine junge Fotografin und politische Aktivistin. Doch nach ihrem Tod war das Aufsehen um Robert Capa so groß, dass sie in den Hintergrund geriet. Während ihren Lebzeiten musste sie aufgrund des Faschismus flüchten, später zog es sie freiwillig in den Krieg. Taro glaubte nicht daran, dass es dort Neutralität geben kann. Irme Schaber, die eine Biographie über sie verfasste, beschreibt sie als Frau, Kommunistin und Jüdin und meint – dass sie vielleicht gerade deswegen in Vergessenheit geriet.

Tamina Lewitsch

 

Mehr dazu:
https://www.theguardian.com/artanddesign/2012/may/13/robert-capa-gerda-taro-relationship
http://www.zeit.de/2014/05/gerda-taro-kriegsfotografin

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