Auf den Spuren von Pionierinnen

in Empört Euch/Gschichtln von

Wer gerne mal durch Wien schlendert, kennt es – jeder zweite Straßenname ist einer wichtigen Person gewidmet, an den Häuserwänden prangen schwarze oder rote Schriftzüge, die eine Widmung ausdrücken und in der Innenstadt stolpert mensch geradezu über Plaketten, Schilder, Büsten und Statuen. Die Aufgabe schien daher denkbar einfach: Reisen in der eigenen Stadt.

Wir hatten uns das Ziel gesetzt, in nur ein paar Stunden die Wirkungsorte und Gedenkplätze von Pionierinnen des politischen und gesellschaftlichen Lebens in Wien aufzuspüren. Unsere Motivation: jenen Frauen ihre verdiente Würdigung zu verleihen und sie durch die Kreierung einer feministischen Entdeckungstour erneut in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu tragen. Wir ahnten zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht, welche aufrüttelnden Ereignisse uns auf dieser Mission begleiten sollten. Voller Tatendrang und Vorfreude machen wir uns daher auf den Weg. Der sonnige Montagmorgen bot sich regelrecht dazu an, einen historischen Spaziergang durch unser geschichtsträchtiges Wien zu begehen.

Die Stationen führten uns von Geburtshäusern zu Lebens-, Lern- und Wirkungsstätten bis hin zu Orten des Gedenkens. Hildegard Burjan, Berta Karlik, Johanna Dohnal, Bertha von Suttner, Grete Rehor, Adelheid Popp, Anna Freud und Margarethe Hilferding sind nur einige wenige Frauen, die ihr Leben gaben, um unser Leben zu verbessern und deren Werke bis heute nachhaltige Wirkungen haben. Sie wollten wir an diesem Tag besuchen.

Kein Schild, keine Plakette, keine Büste, geschweige denn eine Statue – weder innen noch außen.

Auf dem Weg durch die Straßen Wiens durften wir viele spannende Erfahrungen machen. In der kommenden Print-Ausgabe der Gschichtldruckerei findet ihr dazu die ausführlichen Beschreibungen und den geschichtlichen Kontext. Oft wurden wir auf diesem Weg enttäuscht, vielfach gab es kein Schild, keine Plakette, keine Büste, geschweige denn eine Statue – weder innen noch außen, die auf die Existenz dieser Frauen hinwies. Die großen Enttäuschung darüber entfachte in uns ein Feuer der Empörung und uns wurde klar, dass gerade deshalb  dieser Stadtspaziergang ein eindeutiger Aufruf war, denn:

Wir machen weiter!

Wien sprüht nur so vor Pionierinnen und all ihre Wege wurden noch lange nicht beschritten. Wir appellieren an euch alle, genau diese Wege zu beschreiten! Begebt euch auf Pfade, die ihr noch nicht begangen habt, um all die großartigen und denkwürdigen Frauen kennenzulernen, die unsere Gesellschaft durch ihre Arbeit verbessert haben, die mit ihrem starken Willen und feministischen Enthusiasmus allen Menschen ein Stückchen Freiheit vererbt haben. Lasst uns dieses hinterlassene Erbe nicht vergessen, lasst es uns nicht hinnehmen, wenn unser Erbe an den Stadtrand gedrängt wird und lasst uns bei jeder Gelegenheit an unsere Pionierinnen erinnern.

Welche Pionierinnen kennt ihr? Welche feministischen Orte in Wien sind für euch ein Muss?

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