Biafra – die Hoffnung auf Unabhängigkeit

in Klartext von

Der 30. Mai ist ein wichtiger Tag für viele Biafraner_innen. Es ist der Tag, an dem an die damalige Unabhängigkeit des Gebiets – aber auch an die vielen Millionen Toten des darauffolgenden Genozids gedacht wird.

Biafra ist ein Gebiet im Südosten von Nigeria. Es ist 1968 vor allem durch die Hungersnot in die Schlagzeilen geraten und durch Bilder in die mediale Öffentlichkeit.

Biafra-Land ist aber auch bekannt für die unzähligen Ressourcen – insbesondere Öl – und die Zeit, in der sich die Menschen in Biafra für drei Jahre als unabhängig von Nigeria erklärten.  Ebenso bekannt ist der daraus folgende Krieg. Der folgende Bericht soll einen kleinen Einblick in die Geschichte Biafras, aber auch in die Gegenwart und die gegenwärtige Situation von Biafraner_innen in Wien ermöglichen.

 

Ein Land – viele Völker – viele Religionen

Zu Beginn ist es wesentlich auf die Situation Nigerias einzugehen. Das Land wurde unter diesem Namen vor über 100 Jahren von den Engländern hervorgerufen. Es war eine Zeit, in der sich beinahe alle Länder Afrikas unter Kolonialisierung befanden. Der Name Nigeria setzt sich dabei aus dem englischen Wortlaut Niger Area zusammen, wobei Niger der Name eines Flusses ist. Als nun 1914 von den Engländern mehrere religiöse Gruppen zu einem Gebiet zusammengeführt wurden, lebten fortan Moslems, Christen, sowie zahlreiche westafrikanische Religionen untereinander. Die Konsequenzen davon sind bis heute spürbar.

Biafra – im Südosten von Nigeria

Nigeria wurde durch die Zusammensetzung der verschiedenen Gebiete zum bevölkerungsreichsten Land Afrikas. Das Land ist heute bekannt für seine unzähligen Bodenschätze, aber auch für Korruption und anhaltende Konflikte. Heinz Patzelt, der Generalsekretär von Amnesty International, meint in der Sendung „Biafra – Ruf der Freiheit“ vom Stadtfernsehen W24 (27.10.2016), dass der Grund, dass in solchen Weltgegenden nicht Frieden sondern Konflikte herrschen, damit zusammenhänge, dass verschiedene Staaten, Unternehmen und Einzelgruppen daran verdienen. Patzelt argumentiert damit, dass im Konflikt zu keinen Umweltstandards gezwungen werde, dafür aber leicht Vermögen erworben und brachliegendes Land zu Nutze gemacht werden könne.

Immer wieder kommt Nigeria auch im Zusammenhang mit der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram in die Schlagzeilen, und so erreicht uns mit all diesen Facetten ein Bild von dem Land Nigeria, über das wir zugleich nur wenig wissen, ein Bild, über das wir uns eine Vorstellung zurecht machen.

 

Biafra-Krieg 1967-1970

Biafra ist eine Region im Süden von Nigeria. Am 30. Mai 1967 erklärte sich das Gebiet von Nigeria unabhängig, doch es kam zum Biafra-Krieg, welcher bis 1970 dauerte und laut Medien zu mehreren Millionen Tote führte, die genauen Zahlen sind unbekannt. Für den Wunsch nach Unabhängigkeit war ausschlaggebend, dass sich vor allem die in Biafra lebenden Igbo von den im Norden lebenden Hausa benachteiligt und unterdrückt fühlten und den von den Engländern erschaffenen Staat Nigeria nicht als den ihren annehmen wollten.

Biafra war während des Krieges ein unabhängiger Staat, doch haben den Preis für die Unabhängigkeit Millionen von Menschen bezahlt. Die Unabhängigkeit Biafras wurde damals zudem nur von Tansania, Sambia, Haiti, Gabun und der Elfenbeinküste anerkannt.

 

„Die Hälfte der Sonne“

Die bekannte nigerianische Romanautorin Chimamanda Ngozi Adichie hat ein Buch geschrieben, in dem sie auch den Biafra-Krieg behandelt. Der Titel „Die Hälfte der Sonne“ (aus dem

Half Of A Yellow Sun

Englischen Half Of A Yellow Sun) ist dabei an die Fahne vom Biafra-Land angelehnt, welche die Hälfte einer aufsteigenden Sonne zeigt. Adichie hat die Geschichte geschrieben, um über Liebe und Krieg zu erzählen, aber auch, weil sie ihre beiden Großväter im Biafra-Krieg verloren hat. Erst 1977 geboren, hat sie für das Buch viele Forschungen unternommen, Bücher gelesen, Fotos betrachtet, mit Menschen geredet. Sie hat geschrieben, um die Geschichte, die damals in Biafra passiert ist, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

„Die Hälfte der Sonne“ hat international für viel Aufsehen gesorgt und wurde 2013 sogar verfilmt. Dabei geben Buch sowie Film einen guten Überblick über den Konflikt und zeigen zugleich die Menschen, die dahinterstehen.

 

Biafraner_innen in Wien
Biafraner_innen leben laut ihren Aussagen in über 88 Ländern der Welt und organisieren sich vor allem über Radio Biafra, das Internet, und zu einem großen Teil über Social Media. Michael Chijioke Umeh, der Koordinator der IPOB (Indigenous People of Biafra) Wien, lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern in einem der Gemeindebezirke und informiert sich täglich über Radio Biafra. Er lebt gerne in Österreich und fühlt sich hier wohl, denn hier in Österreich gibt es Frieden, hier gibt es Trinkwasser und Strom. Im Biafra-Land hingegen werden weiterhin Menschen getötet, die Angst ist allgegenwärtig.

Gedenktag 30.Mai 2017

Am 30. Mai 1967 wurde Biafra unabhängig. Bloß drei Jahre sollte diese Unabhängigkeit dauern. Seit vielen Jahren gibt es am 30. Mai einen Gedenktag und auch dieses Jahr findet ein Gedenkmarsch für die Frauen, Männer und Kinder Biafras statt, die seit 1966 bis heute getötet wurden.

 

Wie es weiter geht
In welche Richtung sich die Situation Nigerias und Biafras weiter entwickeln wird, bleibt offen. Die Konflikte mit Boko Haram, aber auch die ethischen – und vor allem religiösen – Reibungen scheinen sich kaum zu lösen. Gleichzeitig ist Nigeria ein Land, in dem natürliche Ressourcen nach wie vor eine wichtige Rolle spielen. Vor allem Erdöl wird auf der ganzen Welt gebraucht – und ist oft ausschlaggebend für Konflikte.

 

Biafra ist wie ein Traum, den wir seit Jahrzehnten träumen.

Eunice Umeh in der Sendung „Biafra – Ruf der Freiheit!“ von W24

Biafraner_innen auf der Welt sehnen sich nach Freiheit, nach Unabhängigkeit. Sie versuchen mit allen Mitteln Aufmerksamkeit zu erlangen, um in der Öffentlichkeit gehört zu werden. Doch wohin führt der unbedingte Wunsch Biafra von Nigeria unabhängig zu machen? Wie geht es weiter?

Die Antworten sind schwer zu geben, die Fragen machen dann doch eher ratlos. Eines ist jedoch wichtig. Die Menschen, die von 1967-1970 getötet wurden, nicht zu vergessen.

 

Tamina Lewitsch

 

Links

www.w24.at/W24-Reportage/250025

www.rememberingbiafra.com

www.zeit.de/2007/23/Rauchzeichen_der_Hoffnung

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