Reaktionärer Wahlleitfaden für Studierende

in Empört Euch von

Die Katholische Hochschulgemeinde Wien hat einen Wahlleitfaden für die kommende Nationalratswahl herausgegeben. Dieser ist von rechtem Gedankengut durchzogen und richtet sich gegen Homo-Ehe, „Gender-Ideologie“ und angebliche „Zensurversuche“ der Medien.

Beim Wort KHG denkt die gelernte Österreicherin sofort an den schönsten, jüngsten und intelligentesten Finanzminister, den Österreich je hatte. Die Katholische Hochschulgemeinde (KHG) gehört zur Erzdiözese Wien. Sie ist eine Art Pfarrgemeinde für Studierende und hat nichts dem Lieblingsschwiegersohn der Nation zu tun. Wie ein kürzlich von ihr auf Facebook veröffentlichter Beitrag gezeigt hat, steht sie diesem ideologisch jedoch näher als gedacht. Der Beitrag bewirbt einen Wahlleitfaden zur kommenden Nationalratswahl. Dieser soll als „Gewissensbildung für christliche Wähler“ dienen. Die Inhalte kommen fast durchwegs aus einer reaktionär-konservativen Schatzkiste.

Familie als „Keimzelle der Gesellschaft“
Das erste Thema des Leitfadens ist „Ehe, Familie, Erziehung“. Ein Satz sticht hervor: „Die Familie aus Mann, Frau und Kind(ern) ist die Keimzelle der menschlichen Gesellschaft.“ Diese Formulierung kommt oft im rechtsextremen Milieu vor und wurde zuletzt bei der ÖH-Wahl von der FPÖ-Studierendenfraktion RFS verwendet.

Die Familie als „Keimzelle der Gesellschaft“ wurde zuletzt vom RFS verwendet

Was impliziert die Aussage? Eine Ehe könne ausschließlich zwischen Mann und Frau stattfinden, weil nur diese den Fortbestand unserer Gesellschaft sichere. Glücklicherweise sehen das nicht alle kirchlichen Gruppen so. Die Katholische Jugend OÖ postete Ende Mai eine Stellungnahme zur Homo-Ehe: „Für die kjoö sind homosexuell lebende und liebende Menschen gleichwertige Mitglieder unserer Gemeinschaft.“

Wahlfreiheit oder Chancenungerechtigkeit?
In Bezug auf Erziehung fordert die KHG eine „Wahlfreiheit“ der Eltern bei der Kinderbetreuung ein. Der Staat solle sich auf Geldleistungen (zB Karenzgeld und Familienbeihilfe) konzentrieren anstatt Sachleistungen wie Kindergärten anzubieten: „Diese Wahlfreiheit würde den Zwang zur Erwerbstätigkeit beider Elternteile erheblich verringern und öffentliche Budgets entlasten.“ Hier endet dieses Themengebiet. Der Vollständigkeit halber sollte noch hinzugefügt werden, dass so eine „Wahlfreiheit“ vor allem zwei Ergebnisse hätte: 1. Frauen würden vermehrt zu Hause bleiben, weil Väterkarenz in Österreich immer noch ein Randthema ist. 2. Reichere Familien könnten die gute Erziehung ihrer Kinder ohnehin mit Geld bezahlen, während Kindern aus ärmeren Familien ein privater Kindergarten wohl eher verwehrt bleibt. Die soziale Ungleichheit würde steigen. So wird aus „Wahlfreiheit“ Chancenungerechtigkeit.

Väterkarenz ist in Österreich immer noch ein Randthema

Nicht verstandene Gender-Studies
Und es wird nicht besser. Thema 2 hat den klingenden Namen „Gender-Ideologie“. Schon im zweiten Satz wird beklagt: „Die Gender-Ideologie sieht im Geschlecht ein ausschließlich soziokulturelles Konstrukt statt einer biologischen Realität.“ Falls sie sich hier auf die sozialwissenschaftlichen Gender Studies beziehen, ist diese Aussage schlicht und einfach falsch. Hier wird klar unterschieden: Es gibt ein biologisches Geschlecht („sex“), und ein mit Rollen aufgefülltes sozialkonstruiertes Geschlecht („gender“).

Frauen werden immer noch verstärkt die Rollen der Kindererziehung und des Haushalts zugeschrieben. Männern werden tendenziell emotionale Fähigkeiten abgesprochen. Von ihnen wird logisches und rationales Denken und Handeln erwartet. Frauen und Männer, die diese Rollen nicht erfüllen wollen oder können, sind in der Gesellschaft weniger anerkannt. Nicht zuletzt stehen auch offensichtliche Ungleichheiten wie die Lohnschere zwischen Mann und Frau mit Rollenerwartungen in Verbindung. Besonders deutlich wird die Verteilung von Rollen bereits in Kinderbüchern. Die Tugend- und Heldenhaften sind hier meistens Männer. Frauen nehmen meist passive Rollen ein.

Besonders deutlich wird die Verteilung von Rollen bereits in Kinderbüchern

Gesellschaftliche Rollenbilder sind nicht statisch. Mit der Zeit haben sie sich verändert und werden sich verändern. Sie liegen nicht in der Natur des Menschen – auch wenn die KHG uns das weismachen möchte.

Solidarität – aber nur wenn’s uns nicht schadet
Unter dem Titel „Solidarität“ ist zwar zu lesen: „Die Solidarität mit den Ärmsten und Schwächsten in einer Gesellschaft stellt eine fundamentale Pflicht für Christen dar.“ Am Ende des Blocks wird diese „fundamentale Pflicht“ dennoch abgeschwächt: „Der Staat hat jedoch die Pflicht, im Sinne seiner Verantwortung für den Schutz und zum Wohle der eigenen Bürger Migration angemessen zu beschränken, wenn diese im konkreten Fall eine sachliche und objektive Gefahr für die Allgemeinheit und die öffentliche Sicherheit darstellt.“ Diese Aussage lässt viele Fragen offen. Ist die von der Bundesregierung beschlossene Obergrenze eine angemessene Beschränkung? Was haben die Solidarität mit Schutzsuchenden und die Sicherheit der Bevölkerung miteinander zu tun? Hier wird offenbar eine Gefährdung der Bevölkerung durch Migrant_innen impliziert. Und das Ganze im selben Atemzug mit dem Wort „Solidarität“.

Die große Angst vor der Zensur
Thema 7 mit dem Titel „Informationsfreiheit“ liefert einen weiteren interessanten Einblick in das Gedankenkonstrukt der KHG: „Christen müssen Zensurversuchen, die mit Begriffen wie „Fake News“ und „Hate speech“ Deutungshoheit über das Zulassen oder Verbot bestimmter Meinungen strafrechtlich durchzusetzen versuchen, nachdrücklich widersprechen.“ Es gebe kein Recht Unliebsames nicht hören zu müssen. Diese Aussagen kommen rechtspopulistischer Medienkritik á la „Lügenpresse“ sehr nahe. Medien wird pauschal vorgeworfen, Statistiken zu verdrehen und zu beschönigen. Frei nach dem Motto „man wird ja wohl noch sagen dürfen“. Dem ist zu entgegnen: Man wird Hassredner_innen ja wohl noch Hate Speech vorwerfen dürfen.

Man wird Hassredner_innen ja wohl noch Hate Speech vorwerfen dürfen

Die KHG gibt an, mit ihrem Wahlleitfaden keine Parteipolitik betreiben zu wollen. Dennoch bleiben wohl nur zwei Parteien übrig, wenn man sich bei der Wahlentscheidung an ihren Punkten orientieren möchte: Die FPÖ und die (wohl gar nicht so) neue Volkspartei.

Die moralische Macht der Katholischen Kirche in Österreich ist nicht zu unterschätzen. Bleibt nur zu hoffen, dass es innerhalb der Kirche mehr Gruppen wie die Katholische Jugend OÖ und weniger wie die Katholische Hochschulgemeinde Wien gibt. Sonst dauert es nicht lange, bis die Zeiten KHG’s wieder aufgewärmt werden und eine schwarzblaue Selbstbereicherungsgruppe zurück an den Schalthebeln der Macht ist.

16 Kommentare

  1. Ich hab mir den Wahlleitfaden durchgelesen und stimme dem Artikel hier in den meisten Punkten voll zu. Entsetzt bin ich über Überschriften wie „Gender Ideologie“ und dass unter Religionsfreiheit vor allem die christliche herausgehoben wird. Noch viele andere Dinge stoßen mir sauer auf.
    Aber deinem letzten Absatz muss ich widersprechen, denn man kann die Katholischen Hochschulgemeinden nicht über einen Kamm scheren. Ich habe im KHG-Heim in Linz gewohnt und war dort aktiv beim Gemeindeleben und der Katholischen Hochschuljugend. Wir haben diskutiert, über den Glauben geredet und es war eine sehr offene, soziale Atmosphäre, die mich geprägt hat und mir auch bei meiner jetzigen Arbeit bei der Katholischen Jugend OÖ hilft.
    Auch ist Markus Schlagnitweit, der Hochschulseelsorger der KHG Linz Erstunterzeichner der Kampagne „Christlich geht anders“, übrigens eine sehr spannende Initiative. Und auch die anderen Hochschulgemeinden wie z.B. Graz und Salzburg habe ich zu meiner Zeit anders kennengelernt.
    Nachdem unter dem Wahlleitfaden um Feedback gebeten wird, werde ich das mal machen und die LeserInnen hier bitten, ein differenziertes Bild der KHGs in Österreich zu haben!

    • Danke für deine Einwände! Da ist mir ein Fehler unterlaufen. Ich wollte mich tatsächlich nur auf die KHG Wien beziehen und habe das nicht genau genug formuliert. Das tut mir leid!

  2. >>„Die Familie aus Mann, Frau und Kind(ern) ist die Keimzelle der menschlichen Gesellschaft.“ Diese Formulierung kommt oft im rechtsextremen Milieu vor und wurde zuletzt bei der ÖH-Wahl von der FPÖ-Studierendenfraktion RFS verwendet.<<

    Mag sein, bloß ist diese Aussage in erster Linie schon seit jeher eine kirchliche Aussage zur Auffassung der Rolle der Familie in der Gesellschaft. (siehe Pacem in Terris, I.9., nachzulesen hier: http://w2.vatican.va/content/john-xxiii/de/encyclicals/documents/hf_j-xxiii_enc_11041963_pacem.html). Dass der RFS diese für sich beansprucht kann hier der KHG nicht in die Schuhe geschoben werden. Es wird daher eher anzunehmen sein dass sich die KHG hier auf kirchliche Dokumente und nicht auf einen Wahlslogan des RFS bezieht. An dieser Stelle wäre anzumerken dass ein entsprechender Verweiß sowohl auf den Wahlleitfaden als auch auf den RFS fehlt.
    Außerdem sollte vermerkt werden dass es sich hier (vermutlich?) um die KHG der Erzdiözese Wien handelt. In Österreich gibt es auch katholische Hochschulgemeinden an anderen Standorten die sich bezüglich dieses Themas sicher anderwertig äußern würden.

    Ansonsten scheint mir die Kritik am Wahlleitfaden gut gerechtfertigt. Ist es auch zu einem Gespräch mit zuständigen Personen der KHG gekommen?

    Mit freundlichen Grüßen,
    Michael

    • 1) Da bin ich mir auch sicher, dass sich die KHG nicht auf einen Slogan des RFS bezieht. Zentral ist aber eh nicht die Formulierung, sondern die Implikationen daraus. Und die sind offenbar bei beiden Gruppen recht ähnlich.

      2) Es handelt sich um die KHG der Erzdiözese Wien. Das habe ich leider zu ungenau formuliert. Das sollte nicht passieren und tut mir leid! Ich habe den Fehler im Text jetzt so gut es geht behoben.

      3) Zu einem Gespräch ist es nicht gekommen. Ich würde mich aber freuen, wenn der Kommentar andersdenkenden Katolik_innen (vielleicht sogar innerhalb der KHG Wien) einen Anstoß gibt, diesen Wahlleitfaden zu kritisieren.

      • Zitat: „Zu einem Gespräch ist es nicht gekommen. Ich würde mich aber freuen, wenn der Kommentar andersdenkenden Katolik_innen (vielleicht sogar innerhalb der KHG Wien) einen Anstoß gibt, diesen Wahlleitfaden zu kritisieren.“

        Ach? Keine Ambitionen, die Diskussion aktiv zu suchen, sondern du begnügst dich mit der Reaktion auf eventuelle Kommentare von Katholiken, die sich hierher verirren?

        Wirkt nicht so, als wärest du an einem echten Diskurs interessiert.

        • Ich verstehe nicht ganz, warum das hier kein echter Diskurs sein soll, wenn ich Leute, die auch meiner Meinung sind, dazu anstoßen möchte sich direkt an die KHG zu wenden.

          Zitat Wahlleitfaden: „Wir möchten alle Interessierte einladen, ihn zu lesen, zu diskutieren, zu kritisieren, zu ergänzen… und uns eine Rückmeldung zukommen zu lassen“

          Ich glaube einfach, dass es mehr bewirkt, wenn ich meine Kritik öffentlich mache. Eine Demokratie lebt von öffentlichen Debatten. Die vielen Kommentare zeigen glaube ich sehr gut, dass ich hier einen Nerv getroffen habe. Wenn ich mich nur persönlich an die KHG gewendet hätte (was ich per Mail jetzt auch gemacht habe), wären weniger Leute darauf aufmerksam geworden. Wahrscheinlich habe ich der KHG sogar zu mehr Feedback verholfen.

  3. „Falls sie sich hier auf die sozialwissenschaftlichen Gender Studies beziehen, ist diese Aussage schlicht und einfach falsch. Hier wird klar unterschieden: Es gibt ein biologisches Geschlecht („sex“), und ein mit Rollen aufgefülltes sozialkonstruiertes Geschlecht („gender“).“

    Diese klare Unterscheidung, die du hier ansprichst, gibt es, – aber nicht ausschließlich. Judith Butler, die wohl bekannteste (zugegebenermaßen vielleicht auch umstrittenste) Autorin zum Thema Gender, stellt sich beispielsweise ganz klar gegen diese Unterscheidung! Damit steht sie auch nicht allein. Das „biologische Geschlecht“ ist auch ein sozial-konstruiertes Geschlecht. Der Diskurs über Geschlechter formt auch den Körper der Geschlechter. Hinzu kommt, dass es kein eindeutiges biologisches Kriterium für die Zuordnung zu einem Geschlecht gibt. Nicht mal Biolog_innen sind sich einig, ob das Geschlechtsorgan (wie auch immer es beschaffen ist) oder die Chromosome oder sonst was herangezogen werden sollen. Oft stimmen diese nämlich nicht überein, wenn man nur in den Kategorien Mann und Frau denkt.
    Dergleichen Argumente gegen eine strikte Trennung zw. biologischem und sozial-konstruiertem Geschlecht gibt es noch mehr. Ich würde damit die Aussage der KHG nicht als „schlicht und einfach falsch“ bezeichnen. Was die KHG jetzt aber auch nicht in ein besseres Licht stellt. Die Kritikpunkte, die du äußerst sind wohl sehr gerechtfertigt und ich sehe es auch als sinnvoll an, sich direkt an die KHG mit Feedback zu wenden!

  4. „Was impliziert die Aussage? Eine Ehe könne ausschließlich zwischen Mann und Frau stattfinden, weil nur diese den Fortbestand unserer Gesellschaft sichere. Glücklicherweise sehen das nicht alle kirchlichen Gruppen so. Die Katholische Jugend OÖ postete Ende Mai eine Stellungnahme zur Homo-Ehe: ,Für die kjoö sind homosexuell lebende und liebende Menschen gleichwertige Mitglieder unserer Gemeinschaft.'“

    Du vergleichst hier zwei Aspekte die rein gar nichts miteinander zu tun haben! Es stimmt sehr wohl, dass die Lehre der Kirche darin besteht, dass eine Ehe nur zwischen Mann und Frau stattfinden kann, dies impliziert jedoch in keinster Weise, dass deswegen homosexuell lebende und liebende Menschen keine gleichwertigen Mitglieder der Kirche seien. Du sprichst zuerst die Ebene der Familie und Ehe an, danach die der Anerkennung von Menschen im Allgemeinen! Homosexuell lebende und liebende Menschen dürfen nicht nur der Kath. Jugend OÖ angehören, sondern gehören der ganzen Kirche an, wer dies bestreitet, darf und soll sich nicht Christ nennen!

    Mit freundlichen Grüßen,
    Lukas

  5. Punkto Familienbeihilfe.

    Zitat aus dem KHG-Leitfaden: „Echte Wahlfreiheit beinhaltet direkte Geldzahlungen der öffentlichen Hand an die Familien, nicht Sachleistungen in Form staatlicher Betreuungseinrichtungen.“

    Zitat aus dem Blog: „Der Vollständigkeit halber sollte noch hinzugefügt werden, dass so eine „Wahlfreiheit“ vor allem zwei Ergebnisse hätte: 1. Frauen würden vermehrt zu Hause bleiben, weil Väterkarenz in Österreich immer noch ein Randthema ist. 2. Reichere Familien könnten die gute Erziehung ihrer Kinder ohnehin mit Geld bezahlen, während Kindern aus ärmeren Familien ein privater Kindergarten wohl eher verwehrt bleibt.“

    Wieso sollten Frauen dann vermehrt zu Hause bleiben? Die Sachleistungen werden einfach in Geld umgewandelt – wenn sie weiterhin nicht zu Hause bleiben wollen, können sie für das Geld ja die früheren Sachleistungen in Anspruch nehmen. Wenn sie vermehrt zu Hause bleiben, dann also nur, wenn sie das tatsächlich auch so wollen. Und das fällt dann unter das Selbstbestimmungsrecht der Frau.

    Der zweite Punkt ist überhaupt absolut unlogisch und bedient nur die klassenkämpferischen Klischees. Derzeit erhalten Familien Sachleistungen in Form des Zugangs zu staatlichen Betreuungseinrichtungen. Private Einrichtungen können sich da nur Wenige leisten. Würde stattdessen direkt Geld fließen, dann könnten sich auch mehr und ärmere Leute Zugang zu privaten Einrichtungen leisten, statt weniger.

    • Das ist eine sehr optimistische Sichtweise der Dinge, aber gehen wir dem nach..

      Die „früheren“ Sachleistungen wird es dann nicht mehr geben. Laut dem Wahlleitfaden möchte die KHG Wien staatliche Kindergärten ja abschaffen. Nehmen wir an, das Geld wird nach dem Gießkannenprinzip gleichermaßen an reichere und ärmere Familien verteilt – so läuft das ja auch beim derzeitigen Modell der Familienbeihilfe. Und nehmen wir an, das Geld das der Staat auszahlt, reicht tatsächlich, dass sich Familien dann private Kindergärten leisten können (ich wäre da schon skeptisch, aber gut). Dann wird es teurere Kindergärten (für die das Geld vom Staat allein nicht reichen wird) für reiche Kinder geben, und billigere Kindergärten (wohl mit schlechterer Ausstattung, schlechteren Betreuungsverhältnissen, etc..) für Kinder aus Familien mit schlechterem Einkommen, weil das Gießkannenprinzip eben nicht zu einer Umverteilung beiträgt. Tut mir leid, aber so läuft das, wenn man Sozialleistungen dem „freien“ Markt überlasst.

      Ich bin halt ein Fan von einer möglichst gleichen und gerechten Gesellschaft, und ich glaube das widerspricht christlichen Idealen keineswegs. Im Gegenteil. Wenn du das als klassenkämpferische Klischees abtun möchtest, dann gern!

      • Themenverfehlung.
        Du übst hier Kritik am Gießkannenprinzip und tust fälschlicherweise dabei so, als würde die KHG diese Form der Unterstützung zumindest implizit gutheißen, während in Wahrheit davon gar keine Rede ist im Leitfaden. Nicht zu sprechen davon, wie pessimistisch die Sicht auf unser Regierungssystem ist, zu meinen, jede Reform führe zwangsläufig zur Verschlechterung.

        Überdies geht es nicht darum, die staatliche Betreuung einfach abzuschaffen, sondern nur darum, den Eltern die Wahl zu lassen, ob sie mithilfe des erhaltenen Geldes die staatliche Betreuung in Anspruch nehmen, oder eben eine private. Hier unbegründet so zu tun, als würde die KHG die Abschaffung wollen, nur um dann das Schreckensbild an die Wand malen zu können, dass sich nur mehr „Reiche“ die Erziehung ihrer Kinder leisten könnten, würden die Forderungen umgesetzt werden, bedient eben – wie gesagt – die klassenkämpferischen Klischees.

        Ganz abgesehen davon, dass erstens die schulische Bildung ab der Volksschule beginnt, wodurch so oder so alle Kinder grundsätzlich dieselben Chancen erhalten, Kindergarten hin oder her. Und, dass zweitens die „gute Erziehung“ der Kinder in erster Linie von den Eltern abhängt und deren Verantwortung ist, nicht die des Kindergartens, staatlich hin, privat her.
        Zu sehen, dass es eine schlechte Idee ist, die Erziehung der Kinder völlig in fremde Hände zu legen zeigt ja schon der Blick in die Geschichte. Stichwort: „HJ“ und „Junge Pioniere“

        • Wo habe ich habe nie gesagt, dass jede Reform zu einer Verschlechterung führt. Es geht sehr viele notwendige Reformen. Die Privatisierung von Kindergärten gehört jedenfalls nicht dazu 😉

          Zitat Wahlleitfaden: „Echte Wahlfreiheit beinhaltet direkte Geldzahlungen der öffentlichen Hand an die Familien, nicht Sachleistungen in Form staatlicher Betreuungseinrichtungen.“ Ich wiederhole: NICHT Sachleistungen in Form staatlicher Betreuungseinrichtungen.

          Das klingt nicht danach, dass die KHG staatliche Betreuungseinrichtungen beibehalten möchte.

          Und NEIN! Bildung beginnt nicht erst ab der Volksschule. Du hast soeben die Arbeit aller Kindergartenpädagog_innen abgewertet. Was die Kinder im Kindergarten lernen, ist zentral für ihre weitere Bildung. Die Wiener Wirtschaftsuniversität (keine Klassenkampfgefahr) hat im Jahr 2011 eine Studie über soziale Mobilität in Österreich veröffentlicht. Die Autor_innen kommen dabei u.a. zum Ergebnis, dass Kinder, die eine vorschulische Betreuungseinrichtung (zB Kindergärten) besucht haben, statistisch gesehen einen besseren Bildungsabschluss haben als Kinder, die diese nicht besucht haben. Unten der Link. Hier kannst du dir die genauen Zahlen anschauen, wenn dich das interessiert.
          http://epub.wu.ac.at/…/Lebens-Intergen_Mobilit%C3%A4t…

          Und der Nazi-Vergleich ist wirklich unter aller Sau. Da bin ich mir zu schade, den zu kommentieren.

  6. Themenverfehlung.
    Du übst hier Kritik am Gießkannenprinzip und tust fälschlicherweise dabei so, als würde die KHG diese Form der Unterstützung zumindest implizit gutheißen, während in Wahrheit davon gar keine Rede ist im Leitfaden. Nicht zu sprechen davon, wie pessimistisch die Sicht auf unser Regierungssystem ist, zu meinen, jede Reform führe zwangsläufig zur Verschlechterung.

    Überdies geht es nicht darum, die staatliche Betreuung einfach abzuschaffen, sondern nur darum, den Eltern die Wahl zu lassen, ob sie mithilfe des erhaltenen Geldes die staatliche Betreuung in Anspruch nehmen, oder eben eine private. Hier unbegründet so zu tun, als würde die KHG die Abschaffung wollen, nur um dann das Schreckensbild an die Wand malen zu können, dass sich nur mehr „Reiche“ die Erziehung ihrer Kinder leisten könnten, würden die Forderungen umgesetzt werden, bedient eben – wie gesagt – die klassenkämpferischen Klischees.

    Ganz abgesehen davon, dass erstens die schulische Bildung ab der Volksschule beginnt, wodurch so oder so alle Kinder grundsätzlich dieselben Chancen erhalten, Kindergarten hin oder her. Und, dass zweitens die „gute Erziehung“ der Kinder in erster Linie von den Eltern abhängt und deren Verantwortung ist, nicht die des Kindergartens, staatlich hin, privat her.
    Zu sehen, dass es eine schlechte Idee ist, die Erziehung der Kinder völlig in fremde Hände zu legen zeigt ja schon der Blick in die Geschichte. Stichwort: „HJ“ und „Junge Pioniere“

  7. Wo habe ich habe denn gesagt, dass jede Reform zu einer Verschlechterung führt? Es gibt sehr viele notwendige Reformen. Die Privatisierung von Kindergärten gehört jedenfalls nicht dazu 😉

    Zitat Wahlleitfaden: „Echte Wahlfreiheit beinhaltet direkte Geldzahlungen der öffentlichen Hand an die Familien, nicht Sachleistungen in Form staatlicher Betreuungseinrichtungen.“ Ich wiederhole: NICHT Sachleistungen in Form staatlicher Betreuungseinrichtungen.

    Das klingt nicht danach, dass die KHG staatliche Betreuungseinrichtungen beibehalten möchte.

    Und NEIN! Bildung beginnt nicht erst ab der Volksschule. Du hast soeben die Arbeit aller Kindergartenpädagog_innen abgewertet. Was die Kinder im Kindergarten lernen, ist zentral für ihre weitere Bildung. Die Wiener Wirtschaftsuniversität (keine Klassenkampfgefahr) hat im Jahr 2011 eine Studie über soziale Mobilität in Österreich veröffentlicht. Die Autor_innen kommen dabei u.a. zum Ergebnis, dass Kinder, die eine vorschulische Betreuungseinrichtung (zB Kindergärten) besucht haben, statistisch gesehen einen besseren Bildungsabschluss haben als Kinder, die diese nicht besucht haben. Unten der Link. Hier kannst du dir die genauen Zahlen anschauen, wenn dich das interessiert.
    http://epub.wu.ac.at/3778/1/Lebens-Intergen_Mobilit%C3%A4t_01_13.pdf

    Und der Nazi-Vergleich ist wirklich unter aller Sau. Da bin ich mir zu schade, den zu kommentieren.

  8. Lieber Manuel,

    danke für den Eintrag!

    Am 06.10. findet eine Diskussionsveranstaltung zum Thema statt im Rahmen der „Vienna Welcome Week for Students!“

    Freitag, 6.10.
    Gratis Abendessen im Cafe Caspar ab 20 Uhr
    Diskussionsrunde über den „Voters Guide“ der KHG-Wien zu den Nationalratswahlen im Cafe Caspar um 20 Uhr

    Ich freu mich über Unterstützung 🙂

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