10 Schritte für mehr Zivilcourage im Alltag

in Gschichtln/Werkstatt von

Zivilcourage ist Widerstand aus Überzeugung. Dabei geht es um alltägliche Meinungsfreiheit, die Achtung der Menschenwürde und das Engagement gegen Diskriminierung, Verletzung und Ungerechtigkeit. Leider kann dafür keine Patentlösung verschrieben werden, aber diese zehn Schritte helfen dir weiter…

 

 1. Schau nicht weg

Der erste wichtige Schritt klingt einfach. Jedoch scheitern viele potentielle Helfer_innen schon allein daran, dass sie Notsituationen nicht wahrnehmen oder als solche erkennen. Viel zu abgelenkt sind wir im Alltag von Kopfhörern, Handy oder Internet, drum versuche deine Umgebung aktiv wahrzunehmen und Augen und Ohren offen zu halten.

 

2. Nur Mut

Zivilcourage zeigen braucht eine gehörige Portion Mut. Gerne orientieren wir uns am Verhalten von anderen oder schieben die Verantwortung für das Eingreifen den anderen Beobachter_innen in die Schuhe. Vertrau auf dein Gefühl und deinen Mut, dann bist du am richtigen Weg.

 

3. Sei Selbstsicher

Selbstsicher rüberzukommen ist das A und O. Beobachte die Situation, analysiere sie und die Beteiligten, überleg dir eine passende Strategie, bleib ruhig und gelassen – dann wirkst du souverän und selbstsicher.

 

4. Betroffene_n fokussieren, Täter_in ignorieren

In heiklen Situationen ist es oft hilfreich, nicht direkt die Täter_innen anzusprechen, sondern diese gekonnt zu ignorieren. Konzentriere dich auf das „Opfer“, erkundige dich, ob alles in Ordnung ist oder gibdich als ein_e Bekannte_r aus.

 

5. Lenk vom Geschehen ab

Eine weitere Strategie ist vom Geschehen und dem „Opfer“ abzulenken. Hier kannst du deiner Fantasie freien Lauf lassen: Täusche einen Anfall vor, beginne laut zu streiten, lachen, singen oder zu telefonieren.

 

6. Darf’s auch mal was Lustiges sein?

Ein guter Tipp für kreative, mutige und geübte ist die „paradoxe Intervention“. Auch hier sind deinen Ideen keine Grenzen gesetzt. Ziel ist es, etwas völlig Unerwartetes zu machen, zu überraschen, zu verwundern und die „Täter_innen“ aus der Bahn zu bringen. Frag sie nach dem Weg oder nach der Uhrzeit. Trau dich auch bei absurden, diskriminierenden Aussagen mit Humor zu reagieren: „Ich habe mir schon mal ein Kopftuch besorgt, falls die Moslems an die Macht kommen“.

 

7. Empör dich

schreiendes Mädchen

Passiert etwas, womit du dich unwohl fühlst – wird jemand angepöbelt, beleidigt oder angegriffen – empör dich und sprich das Problem an. Dabei ist es hilfreich, das auszusprechen, was du wahrgenommen hast und Ich-Botschaften zu senden: „Ich habe gehört, wie du über einen anderen Fahrgast gesprochen hast. Warum?“

 

8. Suche Verbündete

Oft ist es hilfreich, eine Situation gemeinsam aufzulösen. Das gibt mehr Sicherheit, Mut und somit Einschüchterung für das Gegenüber. Bist du alleine unterwegs, sprich Passant_innen, Fahrgäste oder Zuseher_innen an und bitte um Beteiligung. Wichtig ist dabei, eine gemeinsame Strategie zu verfolgen.

 

9. Würdige das Kleine

Erwarte nicht, gleich die Meinung oder Einstellung deines Gegenübers zu ändern. In einer brenzligen Situation ist die Hauptsache die Betroffenen in Sicherheit zu bringen, dazu können schon kleine Dinge etwas beitragen.

 

10. Übung macht meisterhaft!

Zivilcourage ist keine Tugend oder persönliche Eigenschaft. Zivilcourage ist eine Verhaltensweise, die man sich im Laufe des Lebens aneignet. Maßgeblich für erfolgreiches zivilcouragiertes Handeln sind einerseits die individuellen Moral- und Wertvorstellungen als Grundlage und andererseits die Übung, Übung, Übung.

 

Text: Fabiana Ellmerer

Illustrationen: Madlen Helml

 

Dieser Artikel erschien im Sommer 2014 in der dritten Ausgabe der Gschichtldruckerei, die sich unter dem Titel „Guten Morgen Abendland“ besonders mit Flucht, antimuslimischem Rassismus und Zivilcourage beschäftigte.

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