Der Weg ist die Kunst

in Kunst

Sein Leben ist ein Kunstwerk, jeder Moment ein Pinselstrich. Vor nicht ganz zwei Jahren malte Rafael Kampl einen richtungsweisenden Strich – er entschied sich, sich voll und ganz der Kunst zu widmen. Mit 1. Jänner 2018 geht er mit Instinctive Movement in die Selbstständigkeit und spezialisiert sich auf Performance Art: Malen in der Öffentlichkeit. Nicht das Ergebnis, sondern der Prozess steht im Vordergrund. Nicht das Ziel, sondern der Weg. Die Gschichtldruckerei spricht mit ihm über seine Idee, den Weg in die Selbstständigkeit und seine Zukunftsvorstellungen.

 

Vor nicht ganz zwei Jahren hattest du dich entschieden, dir mehr Zeit zu nehmen, um dich voll und ganz auf die Kunst einzulassen. Für viele Menschen ist Kunst das, was in den großen, bekannten Galerien zu sehen ist.Was ist Kunst für dich?

Ich denke, Kunst ist der kreative Part vom Menschen, künstlerisch begabt ist jeder Mensch. Kunst ist ein bisschen undefiniert, es ist jedem sein Eigenes. Sie ist nicht angreifbar. Wenn ich etwas für mich als Kunst sehe, dann ist es okay, und keiner kann es mir nehmen. Man kann sicher am Markt bestimmen, ob jemand ein Künstler ist, sich offiziell Künstler nennen darf, als Künstler überleben oder Geld verdienen kann… aber im Prinzip ist jeder Künstler.

Wie bist du zu der Entscheidung gekommen, dich für ein Jahr nur auf die Kunst zu konzentrieren?

Das ist eine schöne Erinnerung, das war Anfang 2016 – ich habe ein Bild fertig gemalt und mir gedacht, das Bild gefällt mir so gut, ich muss jetzt einmal etwas machen, mehr Zeit investieren. Davor habe ich nur sporadisch, einmal mehr oder weniger, oder eigentlich weniger gemalt und trotzdem sind schon fünf Bilder bis dahin entstanden. Und ich dachte, okay, 2016 konzentriere ich mich jetzt nur auf die Kunst, und das ist jetzt die Nummer 1. Ich war arbeitslos, hab nebenbei Kurse gemacht und hab mich voll reinhängen können. Ende 2016 ist dann ein Bild entstanden, das für mich so gigantisch war, dass ich dachte – ich kann das, ich kann das machen, ich habe das irgendwie aus mir herausgekitzelt und das ist so genial. Während des Schaffens, des Malens ist mir immer wieder gekommen – „okay voi geil“, aber wie es dann wirklich fertig war und ich das Ergebnis von einem Jahr intensiver Arbeit sah, war es etwas, das ich nie für möglich gehalten hätte. Ich war ja nie so künstlerisch begabt, wenn man sagt schulisch künstlerisch, aber…. es war schon ziemlich cool das Endprodukt 2016 zu sehen, und da hab ich mir gedacht, okay, da mach ich weiter.

Die Entscheidung zu sagen, ich mach mich selbstständig, ich zieh das größer auf – ein Unternehmen zu gründen als Künstler, wie geht das?

Die Überlegung ist gekommen, weil ich wirklich Potential in der Idee gesehen habe, als Künstler am Markt zu überleben, und nicht nur zu überleben, ich habe auch gesehen, dass das wirklich gut ankommen könnte. Ich habe immer gute Rückmeldung zu dieser Idee bekommen, und das ist wesentlich – du kannst noch so talentiert und begabt sein, wenn das keiner will, dann ist das zwar nicht weniger wert, aber es ist schwierig, dass du davon lebst. Und da ich das Potential gesehen habe, dass die Leute das auch kaufen und die Dienstleistung annehmen könnten. Ich habe finanziell keine Probleme, das ist ein großer Stein, der weggefallen ist, weil ich gut abgesichert war – Sozialstaat Österreich, angefangen mit AMS und jetzt Selbsterhalterstipendium und diverse Geschichten, wo ich mich daneben auch auf die Kunst konzentrieren hab können.

Du bist abgesichert, hast finanziell keine Probleme. Kannst du dir vorstellen, von der Kunst zu leben?

Ich kann mir das sehr gut vorstellen. Dadurch, dass ich auch eine Dienstleistung anbiete – ich bin vor Ort, zum Beispiel bei einem Event, und schaffe bei euch ein Bild, und jeder der da ist, darf daran teilnehmen und darf zuschauen, darf beobachten. Und danach gehört euch das Bild – da sind zwei Opponenten, das Kunstwerk danach als Erinnerung und die Kunst währenddessen als Performance. Des daugt ma, dass ich malen kann, ohne dass von mir etwas erwartet wird, und ich mir auch selbst nichts davon erwarte.Dadurch werden die Bilder, wie sie werden.Weil ich mir einfach keine Gedanken darüber mache und einfach passieren lasse. Ich versuche so frei wie möglich zu gestalten, und das glaub ich kann sehr attraktiv werden für die Zukunft. Das ist auch,was mir Leute sagen: dass es Attraktivität aufzeigt.

Du möchtest dich mehr auf die Dienstleistungen konzentrieren, Richtung Performance Kunst. Wie kamst du darauf, das Bild jetzt nicht alleine im Atelier zu malen, sondern direkt vor Leuten, die dir zuschauen?

Es ist einfach passiert, dass ich einmal öffentlich gemalt habe. Das Ergebnis war für mich selbst beeindruckend. Ich denke, es ist interessant, das Atelier in die Öffentlichkeit zu bringen.Des Künstlers Atelier ist verstaubt, keiner weiß, was passiert und was er da macht. Das aufzubrechen braucht Mut– und ich will mutig sein. Leute fragen, wie ich das schaffe. Für mich ist das wirklich leicht und ich glaub, das ist mein Talent.Nicht Techniken, sondern Gefühl für gewisse Sachen zu haben, und auch die Freiheit und den Mut,den Malprozess öffentlich zu machen und dabei keinem Rechenschaft zu schulden. Ich bin das, was ich bin und ich mache das, was ich mache, und ich muss keinem etwas beweisen. Und mir ist es egal, was die anderen denken, und dann passiert etwas Magisches – in dem Moment, an dem Abend, ein Bild, wo eine Geschichte dahintersteht, die tiefer geht und da bin ich voll dahinter.

Bist du jemals bei einer öffentlichen Kunstperformance nicht richtig in den Mal-Flow gekommen, sodass du dachtest, der Tag heute passt nicht so?

Tatsächlich nicht. Ich wurde zu 100 Prozent von meinem eigenen Beweis bestätigt. Ich habe mir selbst bewiesen, dass das, was ich mache, passt. Ich kenne keine Bilder, die mir nicht gelungen sind. Es ist jeder Abend für sich immer individuell und interessant.

Wann kann man dich das nächste Mal irgendwo als Künstler performen sehen?

Das ist etwas spontan momentan, weil ich noch nicht Geld damit verdiene. Ich werde ab 1.1.2018 in die volle Selbstständigkeit gehen, und ab da kann ich auch Aufträge annehmen. Bisher ist es nur sporadisch, einmal in der Woche, zweimal im Monat, je nachdem, wie ich neben der Uni Zeit habe. Ich kündige das meistens auf Facebook an.

 

Mittlerweile gibt es Termine für die nächsten Public Paintings – am 16. November kann Rafael Kampl im Jazzcafé ZWE, und am 2. Dezember im Derwish beim Malen beobachtet und inspiriert werden. 

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