Ich arbeite, also bin ich Mensch?

in Aktuell/Kreaktiv

Wir gehen jeden Tag arbeiten. Wer sind wir? Wir sind Menschen. Was tun wir? Wir verrichten Lohnarbeit. Arbeit schafft die Realität, in der wir leben. Hinterfragen tun wir das selten. This human world, das internationale Filmfestival für Menschenrechte, stellt die Frage, welche Realitäten diese Arbeit schafft und welche Rechte damit verbunden sind. Menschenrechte gelten immer und überall. Sie sind wie Arbeit universell.

Arbeit entfacht Konflikte

Zwei Filme des diesjährigen Programmes beschäftigten sich auf verschiedene Art und Weise mit den Folgen von Krieg und Konflikt. A Feeling Greater Than Love thematisiert Strategien der Rebellion im Libanon der Siebziger Jahre für eine bessere Arbeitswelt. Das Gefühl von Kollektivität und Euphorie wird durch die grausame Bürgerkriegserfahrung zerstört.

Standbild aus A Taste of Cement
Standbild aus A Taste of Cement

Heute spürt der Libanon die Auswirkungen eines anderenKrieges: in Relation zur eigenen Bevölkerung hat der kleine Staat mehr Syrer*innen aufgenommen als jedes andere Land weltweit. A Taste of Cement folgt den kriegstraumatisierten syrischen Arbeitern: tagsüber bei ihrem Arbeitsalltag auf einer Baustelle in Beirut und nachts bei ihren individuellen Konflikten mit der Kriegserinnerung.

A Feeling Greater Than Love: Sonntag 3.12. 22:45 Top Kino Saal 1

A Taste of Cement: Samstag 2.12. 20:30 Schikaneder

Krisen sind Bestandteil der Arbeitswelt

Standbild aus A Greek Winter
Standbild aus A Greek Winter

Wirtschaftskrisen haben immer Einfluss auf die Bevölkerung. Griechenland ist seit 10 Jahren von der Krise erfasst. Immer mehr Menschen leben an der Armutsgrenze und können sich schlichtweg das Heizöl nicht mehr leisten. Die Frage nach zwischenmenschlichem Vertrauen in wirtschaftlich prekären Zeiten wird in A Greek Winter unaufdringlich gestellt.

Persönliche Krisen sind ebenso die Folgen von Arbeit. Burning Out folgt dem Berufsalltag der Chirurg*innen eines Pariser Krankenhauses. Zwischen dem Leben Retten anderer und dem Überschreiten der eigenen physischen und mentalen Grenzen werden sie vom eigenen bürokratischen Apparat zerrieben.

Auch in China werden, um dem Dogma einer kapitalistischen Zukunft gerecht zu werden, rasend Wohnhäuser gebaut. Doch hinter der Fassade bröckelt es. A Dream Empire zeigt die Geisterstädte dieser Entwicklung.

Krisen bieten aber auch Potential. Darüber diskutieren in The Future of Work and Death eine Bandbreite an Transhumanist*nnen, Futurolog*nnen und Akademiker*nnen. Der aktuelle Diskurs wird sowohl von einer technischen Seite als auch von einer moralischen Seite geführt und verlangt, dass wir uns alle einbringen.

A Greek Winter: Samstag 2.12. 21:30 Top Kino Saal 2

Burning Out: Sonntag 3.12. 21:30 Top Kino Saal 2

Dream Empire: Samstag 9.12. 18:00 Schikaneder

The Future of Work and Death: Montag 4.12. 21:30 Top Kino Saal 2

Prekäre Körper

Zwei weitere Filme des diesjährigen Programmes beschäftigen sich mit einem Thema, welches nach wie vor hinter verschlossenen Türen diskutiert wird: Sexarbeit. Boys For Sale gibt jungen Sexarbeitern in Tokyo den Raum, über sich und ihre Erfahrungen zu sprechen. In den Interviews wird die eigene Sexualität, Liebe und Lohnarbeit reflektiert. Die prekären Lebens- und Liebesverhältnisse sind Mittelpunkt ihrer Gedanken und Ausführungen. Die Auswirkungen von Sexarbeit auf das Lebensalter werden auf der anderen Seite des pazifischen Ozeans diskutiert.

Standbild aus Boys For Sale
Standbild aus Boys For Sale

The Ugly Doll macht das erste Altenheim für Sexarbeiter*innen in Mexiko City zum Protagonisten. Von der Gesellschaft marginalisiert und vergessen, finden die Frauen untereinander eine Familie und Zusammenhalt.

Boys For Sale: Freitag 8.12. 20:30 Schikaneder

The Ugly Doll: Freitag 8.12. 19:00 Top Kino Saal 2

 

Von 30.11.-10.12. gibt es die Möglichkeit, diese Filme zu sehen und sich über das Thema Arbeit in all seinen Facetten Gedanken zu machen. This human world versteht sich als Plattform. Über die Filme hinaus sollen sich Menschen kennenlernen, austauschen, vernetzen und Allianzen bilden. Neben den Filmen werden dem Diskurs über die Inhalte der Filme und deren Auswirkungen besonders viel Raum gewährt: Workshops, Diskussionen und Partys ergänzen das Programm.

Mehr Informationen unter www.thishumanworld.com

 

Der Autor Sebastian Palasser, 23 aus Wien, hat Politikwissenschaften an der Universität Wien abgeschlossen und studiert derzeit im Master Medienkultur- und Kunsttheorie an der Kunstuniversität Linz. Für das this human world ist er in der Programmabteilung und hat den Arbeitsschwerpunkt working realities co-kuratiert.

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