„Die Bestäubungsleistung der Biene bezahlt niemand“

in Utopie von

Wie wollen wir in Zukunft arbeiten? Kaum eine Frage ist zugleich so persönlich und politisch umstritten wie diese. Grund genug, tiefer in den Themenkomplex einzutauchen. Drei Personen haben in Interviews der Gschichtldruckerei Fragen nach den Vorzügen ihrer Arbeit, den Begriff der Leistung und nach Veränderungspotenzialen beantwortet. An dieser Stelle gibt der Imker Marian Aschenbrenner, der die Imkerei Zauberwabe betreibt, Einblicke in sein Arbeitsleben und Ausblicke auf seine persönlichen Utopien. Weitere Porträts findet ihr in der neuen Printausgabe.

Gschichtldruckerei: Was ist das Beste an deinem Beruf?

Marian: Das Beste an meinem Beruf ist, dass ich mir meine Arbeit flexibel einteilen kann. Und die Vielfältigkeit – ich bin viel draußen in der Natur, habe Kontakt mit Kund*innen und ich mag die Herausforderung, mit Bienen zu arbeiten. Im Winter kann ich mich handwerklich betätigen, z.B. Kisten reparieren.

Was bedeutet Leistung für dich?

Bei Leistung denke ich an die Bestäubungsleistung der Biene. Die Biene ist – nach Schwein und Kuh – das drittwichtigste Nutztier. Doch die Bestäubungsleistung bezahlt niemand. Für mich persönlich ist leisten, wenn ich merke, ich habe einen guten Honig produziert und meinen Bienenvölkern geht es gut.

Was möchtest du für deine Arbeit bekommen?

Ich möchte gut und sorglos leben können, der Plan sind 1500€ vierzehnmal im Jahr. Außerdem ist Arbeit die Anerkennung und Wertschätzung von anderen Menschen, z.B. von meinen Kursteilnehmer*innen und Kund*innen. Dinge wie Altersvorsorge habe ich bislang aufgschoben. Meine Rücklagen wandern meistens noch in den Betrieb rein. Das geht, solange ich nur für mich alleine verantwortlich bin.

Wenn du etwas ändern könntest – was wäre das?

Wenn ich etwas ändern könnte, würde ich in Maschinen und ein zentrales Betriebslager investieren, damit ich nicht alles zwanzigmal heben muss. Und ich möchte die Kommunikation rund um Honig verändern: Das Verständnis von Nahrungsmitteln und deren Wert ist entkoppelt. Wenn ich nur acht Euro pro Kilo verlangen würde, bliebe mir – abzüglich Betriebskosten – ein Euro übrig.

Wie sieht dein idealer Arbeitsplatz aus?

Mein idealer Arbeitsplatz ist in der Nähe meines Wohnorts und in der Natur. Mit meinem Partner Markus baue ich gerade ein Geschäftslokal auf, wo Kund*innen auch bei der Produktion zusehen können.

Wie sieht dein Arbeitsalltag in zehn Jahren aus?

Mein Arbeitstag in zehn Jahren wird so aussehen, dass ich gemeinsam mit meinem Partner Markus zu den Stöcken fahre, die in maximal 50km Radius von unserer Zentrale entfernt sind. Vielleicht haben wir auch jemanden bei uns in der Lehre. Und unseren Honig verkaufen wir zu einem Teil über CSA (Community Supported Agriculture, Anm.) – das würde mir viele schlaflose Nächte ersparen.

Das Interview führte Lukas Rachbauer

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