Der Schrei

in Gschichtln/Kunst von

Der Silvester-Kater ist noch nicht vergessen und das neue Jahr rollt trotz allem schon in seiner betäubenden Normalität dahin. Zu dieser Stimmung passt „der Schrei“, ein Gedicht, das von einem bürgerlichem Paar, dem Schreien und von Soße handelt. Lest selbst!

 

Bürgerliches Paar am Esstisch mit dem Bild "der Schrei" im Hintergrung
Ein Schrei hängt schon an der Wand. Der zweite folgt sogleich.

 

In eines holden Dames Schoße
tropfte eines Abends Soße.
Der feine Herr, welch saß dabei,
vernahm entsetzt des Fräuleins Schrei
und fühlt genötigt zu erörtern
den Sinn in seiner Fraues Wörtern.

Sein erster Tipp – der Farbe wegen
musste er sogleich verlegen,
denn war die Soß nicht grün noch rot.
Woanders her stammt wohl die Not.

Sein Kindheitstrauma Soßenschwund
bedachte er als zweiten Grund.
Doch er negiert nach kurzer Pause,
kommt sie doch aus gutem Hause.

Ein Blick in ihr erzürnt Gesichte
erschloss den Grund ihm der Geschichte.
Geschuldet war der Lärm wohl nur
der Soße hohen Temp’ratur.

Zum Überprüfen des Befund
nahm er die Soße in den Mund,
verfluchte lauthals die Gelehrten,
was den Verdacht schien zu erhärten.

Doch der Herr jedoch wollt sichergeh‘n
und liquidier‘n jed‘s Missversteh‘n.
Drum füllte er den Krug voll ein
und begoss der Gattin Bein.

Im Sachverhalt – endgültig heiß
gelang in Folge der Beweis
als dann der ganze Soßentopf
begoss – samt Schrei – des Gatten Kopf.

 

Kai J. Lingnau

Illustration: Daniel Rachbauer

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