„Kein Ibiza auf den Atlanten der Geografie-Studenten!“

in ÖH Wahlen/Schwerpunkt-Themen

Mitten in der lauwarmen Phase der ÖH-Wahlen wartet die Gschichtldruckerei mit einer exklusiven Enthüllung jener Pläne der kandidierenden Listen auf, die diese in der Öffentlichkeit geheim halten. Wir haben mit Funktionär*innen hinter den Kulissen gesprochen und können nur sagen: Gehts wählen, um einen linksrechten Putsch in der ÖH zu verhindern!

Aktionsgemeinschaft: Als die unpolitischste und unabhängigste aller unpolitischen und unabhängigen ÖH-Fraktionen tritt die AG natürlich für eine Abschaffung des allgemeinpolitischen Mandats ein – mit einer Ausnahme: Es soll gesetzlich verankert werden, dass der*die Vorsitzende jede zweite Woche eine Insta-Story mit Sebastian-Kurz-einzig-wahrer-Kanzler-Lobhudelei postet. Das sei erlaubt, denn schließlich geht es hier ganz klar um die Interessen aller Studierenden. Oder wenigstens die für die AG einzig relevanten Jus- und BWL-Studierenden, die im Bundesbasti mit seinen 2 Kilo Haargel ihre Style-Ikone sehen. Auf die Frage, wer denn den Vorsitz in der ÖH nehmen solle, gibt es laut unseren Informationen noch Uneinigkeit in der AG, jedoch gibt es bereits eine leichte Tendenz. „Der Sebastian will den Harald möglichst gut eindecken mit unnötigen Posten, da wollen wir natürlich unseren Teil beitragen!“, heißt es dazu aus AG-Kreisen.

VSStÖ: Beim Verband sozialistischer Student_innen bekennt man sich wieder zurück zu den Wurzeln und wäre gerne wieder ursozialistisch. Man möchte mehr für die Interessen der sozial schlechter gestellten Studierenden tun, deshalb soll die ÖH in der nächsten Periode nicht mehr monatlich, sondern wöchentlich zu Demonstrationen aufrufen. Demonstrieren neben dem Studium soll einfacher gemacht werden, deshalb finden alle Lehrveranstaltungen nur mehr vormittags statt. „Früher war es unser Ziel, das Studium mit der Arbeit vereinbaren zu können. Aber im Gegensatz zur Mutterpartei haben wir bereits eingesehen, dass wir nicht mehr das Sprachrohr der Arbeitenden sind. Wir konzentrieren uns deshalb auf unsere neue Zielgruppe, die gutsituierten Bobos“, heißt es von Seiten des VSStÖ. Auch will man Praktiken aus der goldenen Zeit der Sozialdemokratie unter Kreisky übernehmen – mit Parteibuch wird es demnächst verfrühten Zugang zu LV-Anmeldungen geben.

GRAS: Durch die Verluste bei der letzten Wahl fühlt sich die GRAS in ihrer Politik bestätigt. „Wir werden natürlich auch weiterhin die größten Probleme der Studierenden in den Vordergrund stellen, nämlich den fehlenden Bio-Kaffee bei den Automaten und die wirklich notwendige Einführung von Trigger-Hinweisen bei LV-Anmeldungen, um nicht vollkommen überraschend seine*ihre Safespace gecrusht zu bekommen. Ich hab zum Beispiel einen Kurs in „Geschichte Westafrikas im Zeitalter des Kolonialismus“ besucht und musste da Texte über die Sklaverei lesen! Darauf war ich wirklich nicht vorbereitet!“, bemängelt Annemarie-Joy von Grafenheim, Listendritte der GRAS, im Gespräch mit der Gschichtldruckerei. Außerdem möchte sie sich mehr für Geflüchtete im Studium einsetzen, als Deutsche könne sie sich da gut einfühlen.

FLÖ: Bei den Unabhängigen Fachschaftslisten wird man sich auch in der nächsten Legislaturperiode bemühen, ein bisschen Service mit ein bisschen Links-sein und vollkommener Unabhängigkeit zu kombinieren. Für die ÖH-Wahl hoffe man, weiterhin das Sammelbecken für all jene zu bleiben, die nicht wissen, wen sie wählen sollen und ihr Kreuz bei der ersten unbekannten Liste machen. Auch will man vom Barbara-Rosenkranz-Hype von der Freien Liste Österreich und der damit einhergehenden Verwechslungsgefahr profitieren, um dadurch Wähler*innen vom rechten Rand dazugewinnen.

JUNOS: Bei den JUNOS will man die erfolgreiche Strategie der Mutterpartei anwenden und neoliberale Absichten hinter gesellschaftsliberalen Feel-Good-Botschaften verstecken. Man wird sich in der kommenden Legislaturperiode für mehr Online-Lerninhalte einsetzen, anscheinend um das Studium zeitgerechter und studierendenfreundlicher zu gestalten. „Was wir aber eigentlich vorhaben, ist diese Lernplattformen dann dem staatlichen Zwangsgriff zu entziehen und zu privatisieren. Man kann doch nicht glauben, dass staatliche Hochschulen sich besser um Bildung kümmern können, als die Privatwirtschaft!“, heißt es von den JUNOS. Studieren soll zwar weiterhin allen offen stehen, aber wenn nur jene gute Noten bekommen, die sich auch was leisten können, sei das die faire Selektion des Marktes.

RFS: Beim RFS ist man sich sicher, die wahren Probleme der Studierenden gefunden zu haben: Der Genderstern muss weg! Außerdem möchte man USI-Kurse billiger machen. „Das soll über Kooperationen mit ortsansässigen Vereinen erreicht werden. Für die Fechtkurse hab ich schon eine fixe Zusage meiner Burschenschaft“, meint Giselher Gundahar, Obmann des Rings freiheitlicher Studenten. Aufgrund der Ereignisse der letzten Wochen kommt jetzt eine neue Forderung hinzu: „Die Balearen gehören aus den an der Uni verwendeten Atlanten entfernt, niemand soll mehr von Ibiza hören!“ Für diese Art der Geschichtsrevisionismus bringe man beim RFS auch die notwendige Expertise mit. Nach der Wahl könne man sich etwa eine Koalition mit den Kommunisten vorstellen: „Eine Art Hitler-Stalin-Pakt auf Hochschulebene“, sagt Giselher Gundahar lachend im Gespräch mit der Gschichtldruckerei.

KSV lili: Beim KSV lili will man nach der Wahl die Verstaatlichung der Unis durchsetzen. Auf den Hinweis, dass die meisten Hochschulen in Österreich bereits staatlich sind, reagiert man erfreut. „Die Revolution hat also bereits erfolgreich gestartet!“. Des Weiteren sollen Institute kollektiviert werden und „Das Kapital“ Pflichtlektüre für alle Studienrichtungen werden. Eine Koalition kann man sich nur mit der ideologisch am weitesten entfernten Liste nicht vorstellen, dem KSV-KJÖ

KSV-KJÖ: Der KSV-KJÖ verfolgt im Endeffekt identische Ziele wie der KSV lili. Jedoch scheint es den Mitgliedern des Studierenden-Sowjets sehr wichtig zu sein, nicht mit diesem gleichgesetzt zu werden. „Mit den Spaltern wollen wir nichts zu tun haben, das ist nur ein neotrotzkistischer Abklatsch!“, wird im Gespräch mit der Gschichtldruckerei eingeworfen. Auch intern ist man sich nicht immer einig, wie offen zugegeben wird. „Wir diskutieren zum Beispiel oft über die coolsten Sowjetdiktatoren. Die Mehrheit im Präsidium findet ja den Stalin am besten, ich bin da etwas mehr hipster: Andropow hatte schon seinen Charme!“, lacht Michael „Michailowitsch“ Gruber, Listenzweiter des KSV-KJÖ.

No Ma’am: Als unlustige Möchtegern-Spaß-Partei wird man im Falle des Falles auf den ÖH-Vorsitz zu Gunsten von Expert*innen in Sachen Satire verzichten. Der Autor dieses Beitrags ist sich aber noch nicht sicher, ob er den Posten auch annehmen möchte…

Falls ihr euch vor der Stimmabgabe noch ernsthaft mit den Zielen der kandidierenden Listen auseinandersetzen wollt, geht’s hier zu den G*-Parkbankgesprächen mit den Spitzenkandidat*innen:

Folge 1: VSStÖ vs. JUNOS

Folge 2: FLÖ vs. Aktionsgemeinschaft

Folge 3: GRAS vs. KSV-KJÖ

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