Slut Walk die Zweite

in Schmankerldruckerei

Egal wie kurz mein Rock, egal wie knapp mein Top, auf dich hab ich kein Bock!

Ein Interview mit zwei Organisatorinnen des Slut Walks

links: Denise, 26, studiert Politikwissenschaften, rechts: Tamar, 22, studiert Psychologie

Habt ihr auch das Gefühl schon viel zu lange nicht mehr gegen Slut Shaming, Rape Culture, Victim Blaming und für sexuelle Selbstbestimmung von FLINTA*s demonstriert zu haben? Ich auch! Zum Glück gibt es jetzt wieder eine Gelegenheit dazu!

Am Samstag, den 10.07., um 16 Uhr findet der zweite Slut Walk in Wien statt. Er startet am Westbahnhof, geht über die Mariahilferstraße und endet am Platz der Menschenrechte. Es gibt Musik und Ansprachen. Einen fixen Dresscode gibt es nicht, coole Outfits werden gerne gesehen.

Für alle die gerne mehr über die Hintergründe des Slut Walks erfahren wollen, haben die beiden Mitorganisatorinnen Tamar und Denise sich – freundlicherweise – zu einem Interview bereit erklärt, welches ich – freundlicherweise – für euch niedergeschrieben habe. Frohes Lesen!

Redaktion: Wieso brauchen wir einen Slut Walk in Wien?

Tamar: Es gab jetzt dieses Jahr schon eine ganze Menge an Femiziden und ich glaube so lange Gewalt an FLINTA*s so unglaublich prevalent ist, müssen wir darüber sprechen und dafür sorgen, dass das aufhört.

Denise: Es gibt auch schon häufiger Kundgebungen und Demos bei Femiziden, wie Claim the Space. Aber sexuelle Gewalt beginnt schon viel früher, bei verbaler und psychischer Gewalt, darauf wollen wir auch aufmerksam machen.

Redaktion: Dürfen auch Nicht-FLINTA*s beim Slut Walk mitlaufen?

Denise: Es dürfen alle beim Slut Walk mitlaufen, aber der Fokus soll auf FLINTA*s sein. Also Cis-Hetero Männer sollten eher hinten oder am Rande mitlaufen. Wir freuen uns über jede*n, die*der mitläuft. Es wäre cool, wenn sich die Cis-Hetero Männern da auch nicht heteronormativ anziehen, weil viele FLINTA*s leichter bekleidet sein werden und das sonst vielleicht unangenehm wird.

Tamar: Nicht FLINTA*s können sich auch anderweitig gegen Rape Culture einsetzen. Ich würde sagen, hört euren FLINTA* Freund*innen zu, wenn sie etwas über sexuelle Gewalt oder sexuelle Selbstbestimmung sagen, und redet mit euren männlichen Freunden, redet mit anderen Männern darüber, wie ihr es besser machen könnt und schützt keine Täter! Entfolgt Yung Hurn auf Instagram!

Redaktion: Ihr habt jetzt hier ein paar Begriffe in den Raum gestellt wie Victim Blaming, Slut Shaming und Rape Culture – wollt ihr die erklären?

Denise: Rape Culture ist eine naja … Kultur in vielen Gesellschaften die Vergewaltigungen und andere sexualisierte Gewalt verharmlost oder halt begünstigt. Sexuelle Vergewaltigung ist zwar in vielen Ländern eine Straftat, doch es kommt fast nie zur Anklage und wenn doch, wird diese oft fallen gelassen. Wenn Betroffene tatsächlich zur Polizei gehen, wird ihnen dort oft nicht geholfen. Das sind alles voll verschiedene Faktoren, die eine Rape Culture begünstigen. Und das hat aber auch nicht nur was mit so institutionellen Sachen zu tun, sondern auch mit der Kultur, dass wir im Patriarchat leben, es patriarchale Besitzansprüche gibt und Männlichkeitsbilder und toxische Männlichkeit, dadurch entsteht eben diese Kultur.

Tamar: Und so wie Denise schon gesagt hat, Rape Culture fängt ja so viel früher an, bei Slut Shaming, dass Frauen betrifft, die sich entweder sich freizügig anziehen oder die ihre Sexualität so ausleben wie sie das gerne möchten oder Sexarbeiterinnen sind. Denen wird die Entscheidungsfreiheit über ihren Körper abgesprochen.

Denise: Slut Shaming bedeutet auch, dass wenn man sich freizügig anzieht, dass man dann gleich als Schlampe abgestempelt wird und dass Männer das als Einladung sehen die Person anzusprechen, zu belästigen, was sie selber vielleicht nicht als Belästigung sehen, aber trotzdem einfach Belästigung ist und davon ausgehen, dass die andere Person mit einem schlafen möchte, weil sie eine Schlampe ist. Aber es ist egal wie man angezogen ist, niemand hat das Recht dich einfach zu berühren oder anzusprechen. Freizügigkeit hat nichts mit sexuellen Interesse zutun.

Und Victim Blaming ist eine Täter-Opfer-Umkehr. Also wenn gesagt wird, die Frau war schuld, weil sie sich eben so und so angezogen hat. Das ist dann auch wieder Slut Shaming. Rape Culture, Cat Calling, Slut Shaming und Victim Blaming sind so super verzahnt.

Redaktion: Dankeschön für die Erklärungen. Wie ist die Idee zum Slut Walk entstanden?

Tamar: Das war im April 2011 in Kanada, Toronto. Dort hat ein Polizist einen Vortrag gehalten in einem College Campus darüber wie junge Frauen verhindern sollen vergewaltigt zu werden, weil es eben sehr viel sexuelle Gewalt in diesem Campus gab. Dabei hat er den Satz benutzt, dass diese Frauen darauf achten sollten, sich nicht „slutty“ zu kleiden um zu vermeiden vergewaltigt zu werden. Daraufhin haben die Studentinnen an dieser Universität einen Slut Walk veranstaltet um auszudrücken, dass sie selbstbestimmt sind, dass sie sich anziehen können, wie sie möchten und dass ihr Körper kein „Ja“ zu Sex ist.

Denise: Und das hat dann weltweit Wellen geschlagen. 2011 war das dann in super vielen Großstädten – also New York, Paris, London, Wien. Deswegen wollen wir das jetzt in Wien machen, das ist nämlich das zehnjährige Jubiläum.

Redaktion: Was würdet ihr zu einer Person sagen, die meint, das mit dem Sexismus sei nicht mehr so schlimm und man müsse deswegen nicht demonstrieren?

Tamar (lacht): Ich würde sagen: „Mach mal die Augen auf!“ Ich verstehe nicht, wie man das nicht sehen kann. Allein, dass Frauen Angst haben, allein nach Hause zu gehen, ist ja schon ein großes Zeichen dafür, dass es noch riesige Probleme gibt.

Denise: Und „Mach mal die Ohren auf!“, wenn du im Gespräch mit FLINTA*s bist. So viele Frauen leiden darunter. Und schraub dein Ego runter! Ich verstehe gar nicht, warum man dieses Problem runter spielen sollte.

Redaktion: Was ist euer persönlicher Bezug zum Slut Walk?

Tamar: Ich hab mit 14 halt sexuelle Gewalt erfahren und hab dann halt versucht mit Freundinnen darüber zu reden. Das hat dann irgendwie so ein bisschen die Runde gemacht und ja, die Reaktion darauf war dann halt ziemlich krasses Slut Shaming. Das war ein sehr einschneidendes Erlebnis für mich damals, weil ich auch eben noch so jung war. Durch feministische Gruppen habe ich für mich so ein bisschen so Selbstbestimmung zurückgewinnen können. Es war sehr wichtig für mich, dass es so viele FLINTA*s gab, die gesprochen haben, was ihnen passiert ist und die mir gezeigt haben, dass man nicht Opfer ist, sondern Überlebende. Das möchte ich gern weiterverbreiten und auch dieses Stigma brechen, weil man nicht Opfer ist und nicht schuld ist.

Denise: Bei mir sind es ähnliche Gründe. Ich habe auch sexuelle Gewalt erfahren und viel Slut Shaming erlebt. Ich komme aus einer kleinen Stadt in Bayern, habe mich etwas anders angezogen und wurde dann deswegen öfter mal als Schlampe bezeichnet. Ich hatte damals aber niemanden mit der*dem ich mich da austauschen kann oder die*der mich irgendwie verstanden hat. In Wien, in der Großstadt, trifft man eher Gleichgesinnte, ist aber auch jeden Tag mit Cat Calling konfrontiert. Für mich persönlich ist es wichtig, hier eine kämpferische Einstellung zu entwickeln und das nicht die ganze Zeit über sich ergehen zu lassen. Sondern dass man auf die Straße geht, lautstark dagegen protestiert, dass man auch sieht, wie groß diese Community ist, dass alle gemeinsam gegen Sexismus kämpfen. Und ich finde es schön, wenn sich auch Männer mit dieser Bewegung solidarisieren.

Tamar: Das finde ich auch voll wichtig also, dass man darüber sprechen darf und dagegen kämpfen darf und das nicht einfach über sich ergehen lassen muss.

Redaktion: Vielen Dank, dass ihr das alles mit uns geteilt habt. Ich wünsche euch alles Gute und wir sehen uns beim Slut Walk.

Facebook: https://fb.me/e/1qwmQiB9R?ti=icl

Instagram: https://instagram.com/slutwalk_vienna?utm_medium=copy_link

Mein besonderer Dank gilt neben den beiden beeindruckenden Aktivistinnen Denise und Tamar für ihre tolle Arbeit und das offene Gespräch auch der Diktierfunktion von Word, die mir viel Arbeit gespart und mich mit einigen Wortneuschöpfungen amüsiert hat. Hier einige Schmankerl von meinem Diktiergerät an euch:

Slut Walk = Islam, Flensburg, Stadtwerk, Slut Burg, slut.org, clockwork, start work, Standort, lightworks

Slut Shaming = Rave Gaming, Slot Game blingbling, Slot Gaming

Rape Culture = ontrack Alter, Ranger, Rap Culture

Victim Shaming = Entwicklungs Gaming, Victim Playing, Camming Playing, alles flutschi

FLINTA* = flinke, flitter, Winters

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